Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
830
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Ö30

auf dem rechten Flügel eine leichte Brigade (VScsey) zur Seite folgen, um die Verbindung mitden aus Böhmen vorrückenden Armee-Corps zu erleichtern.

Der Erzherzog Generalissimus erliess am 6. April folgenden Armeebefehl:

Der Schutz des Vaterlandes ruft uns zu neuen Thaten. So lange es möglich war, denFrieden durch Aufopferungen zu erhalten, und so lange diese Aufopferungen verträglich warenmit der Ehre des Thrones, der Sicherheit des Staates und mit der Wohlfahrt der Völker, solange schwieg jede schmerzliche Empfindung in dem Herzen unseres gütigen Monarchen; aberwenn alle Versuche fruchtlos sind, unsere glückliche Selbstständigkeit gegen den unersättlichenEhrgeiz eines fremden Eroberers zu bewahren; wenn Nationen um uns fallen und rechtmässigeRegenten von den Herzen ihrer Unterthanen losgerissen werden; wenn endlich die Gefahr derallgemeinen Unterjochung auch Österreichs gesegneten Staaten und ihren ruhigen glücklichenBewohnern droht, so fordert das Vaterland von uns seine Rettung und wir stehen zu seinemSchutze bereit. Auf Euch, meine theueren Waffengefährten! ruhen die Augen der Welt undAller, die noch Sinn für National-Ehre und National-Eigenthum haben. Ihr sollt die Schmachnicht theilen Werkzeuge der Unterdrückung zu werden; Ihr sollt nicht unter entfernten Him-melsstrichen die endlosen Kriege eines zerstörenden Ehrgeizes führen. Ihr werdet nie für frem-des Interesse und fremde Habsucht bluten; Euch wird der Fluch nicht treffen, schuldlose Völ-ker zu vernichten und auf den Leichen erschlagener Vaterlandsvertheidiger den Weg zumgeraubten Throne einem Fremdling zu bahnen! Auf Euch wartet ein schöneres Loos; dieFreiheit Europens hat sich unter unsere Fahnen geflüchtet; Eure Siege werden ihre Fesselnlösen und Eure deutschen Brüder jetzt noch in feindlichen Reihen harren auf ihre Erlö-sung. Ihr geht in rechtlichen Kampf, sonst stünde ich nicht an Eurer Spitze. Wir werdenauf den Feldern von Ulm und Marengo, an die uns der Feind so oft prahlend errinnert, dieglorreichen Thaten von Würzburg und Osterach, von Liptingen und Zürch, von Verona, derTrebia und Novi erneuern; wir wollen unserem theueren Vaterlande einen dauerhaften Friedenerkämpfen. Aber wir können das hohe Ziel nur durch grosse Tugenden erreichen; unbedingteFolgsamkeit, strenge Disciplin, ausharrender Muth und unerschütterliche Standhaftigkeit in derGefahr, sind die Begleiter der wahren Tapferkeit. Nur Einheit des Willens, Zusammenwirkendes Ganzen führen zum Siege. Seine Majestät, mein Monarch und Bruder, hat mir ausgedehnteVollmacht zum Belohnen und zum Strafen gegeben; ich werde überall in Eprer Mitte sein, undden ersten Dank des Vaterlandes sollt ihr von Eurem Feldherrn auf dem Schlachtfelde erhalten.Der Patriotismus vieler Edlen Österreichs ist Euren Bedürfnissen zuvorgekommen ; er verbürgtEuch das höchste Mass der allgemeinen Erkenntlichkeit. Aber auch die Strafe wird unnachsieht-lich jeder Pflichtverletzung folgen! Das Verdienst wird Belohnung, das Vergehen Ahndungtreffen, ohne Rücksicht der Person und des Ranges. Mit Schande gebrandmarkt, soll derUnwürdige hinausgestossen werden, dem sein Leben theuerer ist als seine und unsere Ehre;mit den Merkmalen der öffentlichen Achtung geziert, werde ich unserem Souverän und derWelt jene Tapferen vorstellen, die sich um das Vaterland verdient gemacht haben und derenNamen ich ewig in meinem Herzen tragen werde. Noch bleibt mir eine Erinnerung übrig; derwahre Soldat ist nur dem bewaffneten Feinde furchtbar; ihm dürfen die bürgerlichen Tugendennicht fremd sein. Ausser dem Schlachtfelde, gegen den wehrlosen Bürger und Landmann ist erbescheiden, mitleidig und menschlich. Er kennt die Leiden des Krieges und sucht sie zu mil-dern. Ich werde jeden muthwilligen Frevel um so strenger ahnden, als die Absicht unseresMonarchen nicht dahin geht, benachbarte Völker zu bedrücken, sondern sie von ihren Bedrückernzu befreien und mit ihren Regenten ein festes Band zur Erwirkung einer dauerhaften Ruhe und