Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
751
Einzelbild herunterladen
 

751

hatte. Gleichzeitig gingen 100,000 Franzosen von der im Lager bei Boulogne versammeltenArmee und 25,000, die unter Marmont aus Holland gekommen, auf verschiedenen Punctenüber den Rhein. Bernadotte, welcher 20,000 Mann aus Hannover führte, Marmont undWredes bayerisches Corps vereinigten sich Anfangs October bei Würzburg zu einem Heerevon 60,000 Mann. Württemberg und Baden wurden gezwungen, ihre Truppen zu der franzö-sischen Armee stossen zu lassen. Die Hauptmacht . sammelte sich Anfangs October bei Nörd-lingen, wo Napoleon am 6. October eintraf; Bernadotte führte seine Armee von Würzburgnach Eichstädt durch preussisches Gebiet, ohne sich um die Neutralität dieses Staates zu küm-mern. Vandamme bemächtigte sich am 6. October der Brücke bei Donauwörth. Die fran-zösischen Colonnen umgingen beide Flanken der Österreicher, gelangten, indem sie die Donauund den Lech überschritten, in deren Rücken und schnitten sie bei Augsburg von ihrer Verbin-dung mit dem Inn und mit den nahenden Russen ab. Die Österreicher zogen sich nun an derDonau von Ulm bis Günzburg zusammen. Ihre ganze in Schwaben stehende Macht zähltekaum 60,000, jene der gegen sie operirenden Franzosen und Alliirten mehr als 160,000 Mannunter Napoleons eigener Führung. Die Gefechte bei Rain am Leeli, bei Wertingen an derZusam und bei Günzburg an der Donau endeten zum Nachtheile der Österreicher. Aber am11. October schlugen sie das Corps des Generals Dupont bei Jungingen und Haslach indie Flucht.

Am 13. hatten die Franzosen bereits Ulm und den dort stehenden Haupttheil des österrei-chischen Heeres in der Ferne umschlossen. Erzherzog Ferdinand bemühte sich noch am Abenddieses Tages, dem Feldmarscliall-Lieutenant Mack die gefährliche Lage vorzustellen und ihn zubewegen, sich ohne Zeitverlust mit der Armee auf dem linken Donau-Ufer durchzuschlagen.Mack auf demlrrthume, dass der Feind sich zurückziehe, beharrend erklärte dem Erzherzoge,dass er Vollmacht habe, nach seinem Gutbefinden zu handeln, dass nicht die Lage des öster-reichischen, sondern des französischen Heeres verzweiflungsvoll sei so arg hatte er sich durchfalsche Nachrichten täuschen lassen und dass dieses noch in der Nacht den Rückzug antre-ten werde. Unter diesen Umständen blieb dem Erzherzoge nur der Ausweg übrig, sich aus Ulmzu entfernen, und es glückte ihm mit Feldzeugmeister Grafen Karl Ivolowrat-Krakowskyund der Abtheilung des Fcldmarschall-Lieutenants Fürsten Schwarzenberg durch den Kreisder Feinde nach Bopfingen durchzudringen. Tages vorher war schon Feldmarscliall-LieutenantWern eck mit seinem Corps nach Aalen abmarschirt. Diese zwei Corps wollten sich vereinigen.Die grosse Übermacht der Gegner hielt sie jedoch von einander getrennt und umwickelte Werneck,der nach mehreren Gefechten, in welchen Murat bei Herbrech,tingen zurückgeschlagcn, beiNeresheim aufgehalten worden war, am IS. October bei Tro chtelfingen mit dem Resteseiner Infanterie, 1650 Mann, sich ergab. Erzherzog Ferdinand bahnte sich mit 11 Schwadronen,an welche sich später vom Wer ne ckschen Corps noch 16 angeschlossen hatten, mit dem Degenin der Faust den Weg durch Franken, über Nürnberg und Baireuth, von Murat verfolgt,nach Böhmen.

Das von Kaiser Napoleons Hauptmacht in Ulm eingeschlossene Corps hatte sich nocham 14. October bei Elchingen tapfer geschlagen. Um Mittag am 15. setzten sich die französischenColonnen gegen die Vorschanzungen in Marsch; jene des Michaels-Berges wurden bald genom-men, da die Werke durch den anhaltenden sechstägigen Regen theihveise eingesunken waren.Napoleon gelangte dadurch in den Besitz der Ulm beherrschenden Höhen, und das österrei-chische, auf 23,275 Mann mit 59 Geschützen geschmolzene Heer war ganz innerhalb der Wälleder Festung eingeschlossen. Mack bestand auf die Vertheidigung des Platzes und schlug noch