344 Die atmosphär. Luft ist keine chcm. Verbind.
Neuerdings haben sehr achtungswerthe Naturforscherbeweisen wollen, dafs die atmosphärische Luft ein Oxyddes Stickstoffs sei, und zwar aus dem Grunde, weil siefast genau aus 4 MaaTstheilen Stickstoffgas und 1 Maafs-tlieile Sauerstoffgas bestehe, und folglich halb so vielSauerstoffgas als das Stickstoffoxydul enthalte. Alleinwenn diefs wirklich der Fall wäre, so würde die atmo-sphärische Luft das erste Beispiel abgeben, wo ein me-chanisches Gemenge völlig dieselben Eigenschaften, wieeine, aus denselben Bestandteilen zusammengesetzte che-mische Verbindung hätte. Denn ein künstliches Gemengeaus 4 Theilen Stickstoffgas und 1 Theile Sauerstoffgasunterscheidet sich, seinen chemischen und physischen Ei-genschaften nach, durchaus nicht von der atmosphärischenLuft, und dafs bei dieser Mengung keine chemische Ver-bindung eintrete, ergiebt sich daraus deutlich, dafs dabeiweder eine Veränderung im Volumen, noch in der Tem-peratur vorgeht. Da überdiefs das Stickstoffoxyd auf Ko-sten der Luft in salpetrichte Säure verwandelt wird, somüfste ein höheres und mit mehr Sauerstoff gesättigtesOxyd, ohne Mitwirkung irgend eines fremden Körpers,eine niedrigere Oxydationsstufe des nämlichen Radikals
breiten. Diefs hat mehrere Mifsgrlffe bei Beurtheilung solcherchemischer Versuche veranlafst, die in porösen Gefäfsen, z. B.von Thon oder Steingut, angestellt worden sind, weil die Luftin den Poren dieser Gefäfse eine Gemeinschaft zwischen der äu-fseren und der im Gefäfse eingeschlossenen Luft herstellt. Da-her mufs in einer Thonretorte oder in einem hessischen Tiegeldie Luft, welche das Gefäfs umgiebt, nach und nach in dasselbeeindringen und auf die darin befindlichen Stoffe einwirken.Priestley fand, dafs poröse Gefäfse, wenn sie auch so dichtwaren, dafs die Luft bei gewöhnlicher Temperatur mittelst derLuftpumpe in denselben verdünnt werden konnte, dennoch diedarin eingeschlossenen Gasarten leicht durchliefsen, und stattihrer atmosphärische Luft einsogen, wenn sie einer höheren Tem-peratur ausgesetzt wurden. — Füllt man eine trockene Ochsen-blase mit Sauerstoffgas und läfst sie 24 Stunden hängen, so fin-det man nachher die darin enthaltene Luft nur wenig reicher anSauerstoffgas, als die umgebende Luft, weil sich diese mit demSauerstoffgas durch die Poren der Blase vermengt hat.