Druckschrift 
1,1 (1825)
Entstehung
Seite
176
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176 Das Verbrennen im Sauerstoffgase.

Vermischt man Blut mit Sauerstoffgas, so verschwin-det dessen dunkle Farbe und wird schön hochroth. Diefsist die Veränderung, welche das Blut der lebendigenThiere beim Athemholen durch Einsaugen von Sauerstoff-gas erleidet, und wodurch die thierische Wärme unter-halten wird. Sperrt man Thiere in Sauerstoffgas ein, sounterhält dasselbe das Athmen viermal länger, als eingleiches Volumen atmosphärische Luft. Daher nannte mandieses Gas anfangs Lebensluft. Nimmt man das Thiernachher heraus, so findet man das Blut in seinen Venenweit röther, als vorher, und wenn es lange Sauerstoffgaseingeathmet hat, so ist die Lunge in einer Art von ent-zündlichem Zustande. Lungensüchtige verschlimmern sichdaher gar sehr durch das Einathmen dieser Luftart.

Jeder Körper, welcher im Sauerstoffgas verbrennt,verbindet sich mit Sauerstoff, und nimmt nun eben soviel am Gewichte zu, als der verzehrte Sauerstoff wog.Dabei entsteht, auf eine bis jetzt noch nicht hinreichenderörterte Weise, eine Verbindung von Licht und Wärme,die wir Feuer nennen. Lavoisier und seine Zeitge-nossen glaubten, das es von der gebundenen Wärme her-rühre, welche den Sauerstoff in beständiger Gasgestalterhalte; seitdem man aber eingesehen hat, dafs diese Er-klärung nicht Genüge leiste, weil auch dann Feuer ent-steht, wenn das Sauerstoffgas nicht condensirt wird, sonahm Crawford seine Zuflucht zu einer Veränderungin der specifischen Wärme des verbrannten Körpers, die,nach seiner Ansicht, geringer, als bei dem Sauerstoffeund dem brennbaren Körper vor ihrer Vereinigung seinsollte. Wir haben jedoch späterhin gefunden, dafs auchdiese Erklärungsart nicht richtig sei, und dafs nicht alleinmanche verbrannte Körper eben so viele specifische Wärmehaben, als ihre Bestandtheile, sondern dafs auch manche,z. B. das Wasser, sogar dann und wann eine gröfserespecifische Wärme, als ihre Bestandtheile für sich be-sitzen, daher, nach Crawfords Erklärung, bei Ver-brennung des Wasserstoffs Kälte, statt des Feuers, entste-hen miifste.

Es