2) Sauerstoffgas aus Braunstein. 171
schreiben werde. Die Eisenretorte wird nun in einenkleinen Ofen, der aus vier Ziegelsteinen zusammengesetztund nachher geheizt wird, eingelegt, das Glasrohr abernicht gleich eingekittet. Erst fängt das Wasser an sich inDämpfen abzusondern, die bisweilen nach Salpetersäureriechen; dann kommt eine Luftart, welche das Feuer aus-löscht, nämlich Stickstoffgas, und so lange Wasserdämpfeund diese Luftart entweichen, wird kein Gas aufgefangen.Sobald man aber bemerkt, dafs ein ausgeblasenes, abernoch glimmendes Schwefelhölzchen, welches man an dasRohr der Retorte bringt, nicht mehr verlöscht, sondernim Gegentheil sich entzündet und mit ungewöhnlichemGlanze brennt, so wird die Glasröhre eingesetzt, die vor-her mit Werg und feuchtem Thon Umschlägen und gehö-rig eingepafst werden mufs, — und das Gas wie im vo-rigen Versuche aufgefangen. Man erhält dabei, je nach-dem alle Fugen mehr oder weniger luftdicht verkittetsind, aus einem Pfunde Braunstein dem Raume nach 12bis 16 Quart Sauerstoffgas, wovon jedoch das zuerst undzuletzt übergegangene nicht recht rein ist und besondersaufbewahrt werden mufs. Von dem dichten Schliefsender Fugen kann man sich überzeugen, wenn man miteinem glühenden Spahne rings herum fährt, wo danndieser an solchen Stellen, wo Sauerstoffgas herausdringt,zu brennen, oder doch mit lebhafterem Glanze zu glim-men anfängt.
In Ermangelung einer Eisenretorte kann man auchSauerstoffgas aus Braunstein entwickeln, wenn man einenwohl vernagelten Flintenlauf zur Hälfte damit anfüllt, unddiese Hälfte dann glühet. In die Mündung des Laufskann man ein Glasrohr einkitten oder durch Kork befesti-gen, durch welches man das Gas in mit Wasser gefüllteFlaschen leitet. — Oder man kann auch den Braunsteinin einer Glasretorte, wie die im ersten Versuche, mitconcentrirter Schwefelsäure übergiefsen. Beim Erhitzender Retorte kommt die Masse bald in’s Kochen, und eswird Sauerstoffgas in grofser Menge entwickelt. Stattdes Braunsteins kann man auch Salpeter in den Flinten-