170 2) Sauerstoffgas aus Braunstein.
men. Ist die Retorte völlig abgekühlt, so nimmt manden Kork heraus, wo dann das Wasser in die Retorteeindringt und den Raum ausfüllt, welchen das Sauerstoff-gas bei dieser Temperatur weniger einnimmt, als bei derGlühhitze, wo das Rohr der Retorte verschlossen wurde.Man kann die Retorte, den Boden zu oberst, umkehren,und mit einer Feile auf zwei Seiten den Raum bezeich-nen, welchen das Gas einnimmt. Wendet man die Re-torte dann wieder um und füllt sie bis an die gemachtenMarken mit Wasser, so kann man alsdann dieses messenund das Volumen des in der Retorte zurückgebliebenenSauerstoffgases wissen. Man hat bei diesem Versuche, mitHinzurechnung des Rückstandes in der Retorte, ungefähr16 Kubikzoll Sauerstoffgas erhalten; denn jeder Kubikzolldesselben wiegt bei der gewöhnlichen Sommerwärme un-gefähr i Gran, oder etwas weniger. Das rothe Pulverbestand sonach aus 92 Theilen Quecksilber und 8 Thei-len Sauerstoff.
2) Auf eine weit weniger kostspielige Weise wirddas Sauerstoffgas aus schwarzem oxydirtem Mangan gewon-nen, einem Minerale, welches unter dem Namen Braun-stein im Handel vorkommt. Man bringt in eine (wieFig. 4 a. Taf. II. gestaltete) eiserne Retorte, welche un-gefähr ein Pfund fassen kann, so viel fein gestofsenenBraunstein, dafs dieselbe etwa bis zu gefüllt wird, ver-schliefst sie hierauf mit einem eingeschliffenen, der Längenach durchbohrten Eisenpfropf (Fig. 4 b.), der mit etwasangefeuchtetem Thon bestrichen und so in den Retorten-hals hineingetrieben wird, dafs er sie luftdicht verschliefst.In das schmälere, röhrförmige Ende des Pfropfes wird einGlasrohr eingekittet, welches so gekrümmt ist, dafs es,wie im vorigen Versuche, in eine gröfsere Schaale mitWasser geleitet und das Gas auf gleiche Weise in gröfse-ren Flaschen aufgefangen werden kann. Da man aber beidieser Vorrichtung mehrere Quart Gas erhält, so ist esbequemer, dasselbe in einem gröfseren Gasbehälter vonBlech aufzufangen, den ich im dritten Theile dieses Lehr-buchs, unter dem Artikel Gazometer, besonders be-