656 Schwefclcyan-Wasserst. m. Scluvefelwasserst.
prefst. Ein Theil dieses Salzes wird in 3 Tlieilen Was-ser aufgelöst und sogleich mit Chlorwasserstoffsäure oderSchwefelsäure, die zuvor mit ihrem doppelten GewichteWasser verdünnt wurden, vermischt; nachdem noch dieFlüssigkeit wohl unter einander gemengt ist, wird sie mitvielem Wasser auf einmal verdünnt, wobei sich, ohneEntwickelung von Schwefelwasserstoff, ein ölartiger Kör-per zu Boden setzt. Dieses ist die Doppelsäure. In rei-nem Zustande ist sie farblos; ihre Eigenschaften sind abernicht näher untersucht, weil sie sehr schnell vom Wasserzersetzt wird. Zeise hat aufserdem bemerkt, dafs wenndas trockene Salz mit etwas verdünnter Schwefelsäureübergossen werde, sich eine talgartige Materie abscheide,welche von der Flüssigkeit schnell zersetzt wird, und dieebenfalls nicht weiter untersucht werden konnte. Wenndiese Doppelsäure mit einer oxydirten Basis in Berührungkommt, so wird diese vom Schwefelwasserstoff in einSchwefe]inetall verwandelt, welches sich mit der Schwe-felcyan-Wasserstoffsäure zu einem Salze verbindet. DieSchwefelcyan-Wasserstoffsäure hat demnach die Eigen-schaft, sich sowohl mit Metalloxyden, als mit Schwefel-metallen zu Salzen zu verbinden; aber im ersteren Fallewird der Wasserstoff oxydirt und Schwefelcyanmetallegebildet, und in letzterem Falle dagegen bleibt er; wirdaber dann das gebildete Salz erhitzt, so entweicht er mitdem Schwefel des Schwefelmetalles und das Schwefelcyan-metali bleibt übrig.
Diese Doppelsäure besteht aus 22,34 Th. Schwefel-wasserstoff und 77,66 Th. Schwefelcyan-Wasserstoff, wel-ches dem Volum nach wahrscheinlich l Volum des erste-ren und 2 Volum des letzteren beträgt, indem der letz-tere doppelt so viel Schwefel wie der erstere enthält. DieVerbindungen der Doppelsäure sind von keiner langenDauer auf nassem Wege, denn sie haben das Bestrebendurch die Zersetzung des Wassers Sauerstoff- Verbindun-gen hervorzubringen, deren Existenz auf weit stärkereVerwandtschaften gegründet ist.