Schwcfelwasserstoffsänre.
637
auch vor, zu diesem Behufe Schwefelantimon in concen-trirter Chlorwasserstoffsäure aufzulösen; aber dieses Ver-fahren ist kostbarer, und das Gas enthält dann immereinen Antheil in demselben verdampfter Chlorwasserstoff-säure. Man mufs das Gas, auf welche Art es auch ent-wickelt wird, bevor man es auffängt, durch Wasser ineiner besonderen Flasche leiten, um es dadurch von denAntheilchen der zur Entwickelung angewandten Flüssig-keit, welche durch Spritzen mechanisch mit dem Gasefortgerissen werden, zu befreien.
Wenn man dieses Gas in Gasform aufsammeln will,so geschieht diefs am besten über einer gesättigten Auf-lösung von Kochsalz. Von reinem Wasser wird es inbemerklicher Menge aufgenommen, und von Quecksilberwird es allmählich zersetzt. Zum Beweise, dafs das Gasrein ist, mufs es ohne Rückstand von kaustischem Kaliabsorbirt werden und darf nicht Kalkwasser trüben. Diefremden Materien, wodurch das Gas verunreinigt seinkann, sind: aJ Wasserstoffgas, wenn das Eisen nicht mitSchwefel gesättigt war, und bJ kohlensaures Gas, wennman Schwefelkalium, Natrium oder Calcium anwendet.
Die Schwefelwasserstoffsäure gehört zu den coercibelnGasen. Wenn man in eine an beiden Enden zugeschmol-zene krumme Glasröhre Schwefeleisen mit etwas Chlor-wasserstoffsäure einschliefst, so wird die gebildete Schwe-felwasserstoffsäure liquid und kann von der Eisenauflö-sung abdestillirt werden, wenn das leere Ende der Röhrekünstlich mit Schnee und Kochsalz abgekühlt wird. Sieist, nach Faraday’s Beschreibung, ein farbloses, klaresund so aufserordentlich leicht bewegliches Liquidum, dafsAether im Vergleich damit schwerfliefsend zu sein scheint.Sie bricht das Licht stärker, als Wasser, oder wenigstensstärker, als schweflichte Säure. Ihr spec. Gewicht ist un-gefähr 0,9, und sie braucht bei -f- 10° Temperatur 17 At-mosphären Druck, um liquid zu bleiben. Wird die Röhrezerbrochen, so verwandelt sich die Säure im Augenblickin Gas.
Die Schwefelwasserstoffsäure hat einen eigenen star-
42 *