Druckschrift 
1,2 (1825)
Entstehung
Seite
633
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Kiesel - Fluorwasserstoffsäure.

6 00ÜJ

ser Hinsicht der Schwefelsäure, Chlorwasserstoffsäure u. a.Ihr ausgezeichnetster Charakter ist, mit neutralen Salzen,welche Kali, Natron und Lithion zur Basis haben, Nie-derschläge gewöhnlich von so gelatinösem Ansehen her-vorzubringen, dafs man sie anfangs in der Flüssigkeit garnicht bemerkt, und mit Barytsalzen einen weifsen, krystal-linischen Niederschlag zu geben, welcher sich nach eini-gen Augenblicken zeigt. Fast alle Salzbasen zersetzendiese Säure, wenn sie im Ueberschusse zugesetzt werden,indem sie Kieselsäure abscheiden und Fluormetalle bilden.Werden sie dagegen nur in der zur Sättigung der Fluor-wasserstoffsäure erforderlichen Menge zugesetzt, so erhältman mit allen Salzbasen Doppelsalzen ähnliche Verbin-dungen, aus einem Fluormetalle bestehend, das chemischmit einer Menge Fluorkiesel verbunden ist, welcher 2 malso viel Fluor wie das Fluormetall enthält; die meistendieser Salze sind in Wasser löslich und krystallisirbar. Siehaben die ausgezeichnetste Analogie mit denjenigen, welchevon Bor-Fluorwasserstoffsäure gebildet werden. VerdünnteKiesel-Fluorwasserstoffsäure kann bis zu einem gewissenGrade durch Abdunstung concentrirt werden, aber hier-auf geht Fluorkieselgas weg und die Flüssigkeit wird im-mer reicher an Fluorwasserstoffsäure. Man kann dieseSäure nicht ohne Wasser erhalten, d. h. es ist keine Ver-bindung von wasserfreier Fluorwasserstoffsäure mit Fluor-kiesel bekannt, und bei einem höheren Grade von Con-centration trennen sich beide. Dieser Umstand erklärtdie paradoxe Erscheinung, dafs, obgleich die flüssige Kiesel-Fluorwasserstoffsäure nicht im mindesten Glas angreift,dieselbe doch nicht auf Glas verdampft werden kann,weil dann dieses tief angegriffen wird; denn nachdem derFluorkiesel in Gasform entwichen ist, so bleibt die Fluor-wasserstoffsäure zurück, welche das Glas angreift. Wennman deshalb prüfen will, ob eine saure Flüssigkeit Fluor-wasserstoffsäure aufgelöst enthält, so braucht man blofseinen Tropfen davon auf einem Glase zu verdampfen, undhierauf die Stelle mit Wasser abzuspühlen, welches danneinen nicht wegzuwaschenden Fleck hinterläfst. Dasselbe