Druckschrift 
1,2 (1825)
Entstehung
Seite
548
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Borsäure.

Das specifische Gewicht derselben beträgt 1,480. Sielöst sich im Alkohol auf, und die Lösung brennt mit einerschönen grünen Flamme. Die Auflösung färbt das Kur-kumepapier braun, ganz wie ein Alkali, und die Farbewird durch Verdunstung des Alkohols noch brauner. DieBorsäure verflüchtiget sich mit den Dämpfen des Alkohols,wie mit denen des Wassers, und der überdestillirte Alko-hol enthält bedeutend viel Borsäure. Sie ist bei gewöhn-licher Lufttemperatur eine der schwächsten Säuren, ver-treibt aber in der Glühhitze die meisten flüchtigeren Säu-ren. Die krystallisirte Borsäure ist wasserhaltige Borsäuremit Krystallwasser. Bei einer gelinden Hitze verliert siedas letztere und verwittert, und bei nicht viel höhererTemperatur geht selbst das, mit der Säure als Basisnäher verbundene Wasser verloren. Geschmolzene Bor-säure nimmt Wasser aus der Luft auf und zerfällt in offe-nen Gefäfsen von selbst. 100 Theile krystallisirte Bor-säure enthalten 43,62 Theile Wasser, wovon die HälfteKrystallwasser ist.

Die Borsäure besteht aus 100 Th. Bor, verbunden mit220,62 Th. Sauerstoff, oder auf 100 Theile aus 31,19 Tb.Bor und 68>S1 Th. Sauerstoff. Die Borsäure verbindetsich mit Salzbasen in so vielen Verhältnissen und mit sogeringen Affinitäten, dafs es schwer ist zu bestimmen,welche von diesen Verbindungen man für die neutraleoder gerade gesättigte halten soll. Wir nehmen indefsden Borax (natürliches borsaures Natron), und wahrschein-lich mit gröbster Richtigkeit, für ihre neutrale Verbindungmit Natron an, und darin ist die Sättigungscapacität derBorsäure i von ihrem Sauerstoffgehalte, oder 11,468;es giebt aber auch borsaure Salze, in welchen sich derSauerstoff der Säure zu dem der Basis verhält wie 12, 6>4, 3 und 2 zu 1.

Die Borsäure wird in der Medicin gebraucht, undwurde von den älteren Pharmaceuten Sal sedalivus Ilom-bergii genannt. Die natürliche Borsäure aus Italien wirdzur künstlichen Bereitung von Borax benutzt.