Druckschrift 
1,2 (1825)
Entstehung
Seite
518
Einzelbild herunterladen
 

518

Chlorichte Säure.

destillirt die chlorichte Säure langsam als eine gelbe Flüs-sigkeit über. Ueberläfst man dann den Apparat sich selbst,und erlangen die beiden Enden eine gleiche Temperatur,so geht die Säure zur Salzmasse zurück, welche durchdiese Absorption eine dunklere Farbe annimmt, als dieSäure für sich hat.

Das chlorichtsaure Gas wird von Wasser bis zu 7 malvom Volum des Wassers eingesogen; die Auflösung isthochgelb, riecht nach chlorichter Säure, und hat eineneigenen scharfen Geschmack, welcher kein saurer ist. Esbleicht das Lackmuspapier. An der Luft stöfst es Dämpfeaus, welche ebenfalls bleichend sind. Wird ein Tropfenwärsriger chlorichter Säure in eine gröfsere Menge Lack-mustinktur getropft, so wird die blaue Farbe zerstört undin eine gelbe umgewandelt. Setzt man mehr Lackmus-tinktur zu, so wird sie roth, erlangt aber durch Zusatzvon Alkali ihre blaue Farbe nicht wieder. Wird wäfsrigechlorichte Säure mit salpetrichter Säure vermischt, so wirddas Gemenge unklar, und es bildet sich allmählich einNiederschlag, der immer mehr zunimmt. Setzt man diewäfsrige Säure der unmittelbaren Einwirkung des Sonnen-lichtes aus, so verliert sie in wenigen Stunden ihre Farbe,nimmt den Geruch von Chlor an, und giebt auf die Art,wie ich anführte, oxydirte Chlorsäure, wenn sie durchAbdampfen concentrirt wird. Im Tageslichte sind zu die-ser Veränderung mehrere Wochen erforderlich, und imDunkeln erhält sich die Flüssigkeit unverändert.

Versucht man unmittelbar chlorichte Säure mit einerSalzbasis, z. B. mit Kali, zu verbinden, so wird sie, gleichder salpetrichten Säure, zersetzt, und man erhält ein Ge-menge von chlorsaurem Kali und Chlorkalium. Dieser Um-stand hat mehrere Chemiker veranlafst, sie als ein Oxyd zubetrachten, welches sich nicht mit Salzbasen zu verbindenvermag, und diese nennen sie deshalb Chloroxyd; aberwenn sie in statu nascenti in Berührung mit einer Salz-basis kommt, so verbindet sie sich damit und bildet chlo-richtsaure Salze, welche sich auszeichnen durch einen eige-nen, scharfen, dem der Säure deutlich ähnlichen Geschmack