Wasserfreie salpetrichte Salpeters. 483
ist Wasser nicht nothwendig, und man kann eine wasser-freie Verbindung beider Säuren erhalten, wenn man inein kleines Gefäß, welches künstlich erkältet wird, einGemisch von 2 Maafstheilen Stickstoffoxyd gas mit einemMaafstheile Sauerstoffgas hineinbringt. Man erhält die-selbe selbst dann, wenn man trockenes salpetersauresBleioxyd destillirt und die dabei entwickelten Gase durcheine stark (z. B. bis zu 20°) erkältete Glasröhre streichenlälst. Sie ist grünlich oder pomeranzengelb; raucht starkin der Luft; ihr specifisches Gewicht ist 1,451; sie kochtbei -(-28°.
Diese Doppelsäure wird zum Theil zerlegt, wennman Wasser zusetzt; es entwickelt sich Stickstoffoxyd inGasform, und dadurch vermehrt sich verhältnifsmäfsig dieMenge der Salpetersäure, so wie., sich die salpetrichteSäure zugleich vermindert. Doch wird die letztere nichtgänzlich zerlegt, so dafs in der, unter dem Namen Schei-dewasser vorkommenden, gemeinen verdünnten Salpeter-säure noch eine bedeutende Menge salpetrichte enthaltenist, von welcher Säure das Scheidewasser seinen eigen-thümlichen Geruch hat. Man kann deren Anwesenheitauch entdecken, wenn man die Säure mit Bleioxyd(Glätte) bis zur vollen Sättigung digerirt, wo die Lösunggelb wird, wenn sie salpetrichtsaures Blei mit enthält.
Diese Doppelsäure hat übrigens die Eigenschaft, beider Verdünnung mit Wasser ihre Farbe zu verändern, sodafs sie, je mehr nach und nach Wasser zugesetzt wird,aus dem Rothen in’s Gelbe, aus diesem in’s Grüne, dannin’s Blaue übergeht, endlich aber farbenlos wird. Dabeiwird durch jeden neuen Zusatz von Wasser Stickstoff-oxydgas entwickelt, bis die Säure farbenlos geworden ist.Die wasserfreie Doppelsäure kann indessen mit einer ge-ringen Menge Wasser gemischt werden, ohne dafs eineGasentwickelung dabei entsteht.
Gay-Lussac, und mit ihm noch einige andere Che-miker, betrachtet diese Verbindung der beiden Säuren alseine eigenthümliche, besondere Säure, welche er Aride ni-trenx nennt, während die eigentliche salpetrichte Säure den