Schwefel und wasserfreie Schwefelsäure. 473
Zink oder Eisen die Hälfte des in der schweflichten Säurebefindlichen Sauerstoffs auf, und mit der anderen Hälftedes Sauerstoffs bildet der Schwefel die neue Säure, undin den so erzeugten Salzen enthalten die Säure unddie Basis gleiche Menge Sauerstoff. In den, durch Di-gestion eines schweflichtsauren Salzes mit Schwefel, er-zeugten Verbindungen, enthält die Säure 2 mal so vielSauerstoff, als die Basis.
Wenn man den Auflösungen der mit dieser Säuregebildeten Salze eine stärkere Säure tropfenweise zusetzt,so wird jene frei und erhält sich für einen Augenblickunzersetzt in der Auflösung; nach einigen Minuten trübtsich die Flüssigkeit, es wird Schwefel niedergeschlagenund der Geruch nach schweflichter Säure bemerkbar.
Gay-Lussac nennt diese Säure Acide hyposulfu-reux , welches Gilbert durch untersch weflichteSäure übersetzt hat. Sie besteht aus 66,80 Theilen Schwe-fel und 33,20 Theilen Sauerstoff, und der Schwefel istdarin mit halb so viel Sauerstoff, als in der schweflich-ten Säure, verbunden. Ihre Sättigungscapacität beträgtentweder 33,20 (d. h. ist dem Sauerstoffgehalte derselbengleich), oder nur halb so viel.
Wird liquide wasserfreie Schwefelsäure mit gepulver-tem Schwefel vermischt, so erhält man bei viel Schwefelund einem geringeren Zusatze von Säure eine braune oderrothe Masse, welche bei einem gewissen Verhältnisse derBestandteile flüssig ist. Sie scheint die niedrigste Oxy-dationsstufe des Schwefels zu sein; aber sowohl das Ver-liältnifs ihrer Bestandteile, als ihre übrigen Eigenschaften,sind noch unbekannt. Man weifs nur, dafs sie bald sichzu zersetzen und schweflichtsaures Gas zu entwickeln an-fängt. Durch Wasser wird diese Zersetzung sogleich be-wirkt. Schweigger fand, dafs wenn man Schwefel indie Vorlage legt, in welche man wasserfreie Schwefel-säure abdeslillirt, und die Fugen, nachdem der gröfsteTheil der Luft im Apparate durch die Wärme ausgetrie-ben worden ist, luftdicht verschliefst, nach beendigterDestillation die wasserfreie Schwefelsäure, während des