Druckschrift 
1,2 (1825)
Entstehung
Seite
472
Einzelbild herunterladen
 

472 Bildung der untersclnveflichten Säure.

für eine mit den Doppelsalzen gleichartige Zusammen-setzung gehalten. Berthollet entdeckte, dafs Eisen undZink von tropfbarflüssiger schweflichter Säure aufgelöstwerden können, ohne dafs Wasserstoffgas dabei entwic-kelt würde, und dafs dabei eigene, farbenlose, krystalli-sirbare Salze gebildet würden, aus welchen andere Säu-ren die schweflichte Säure nebst dem Schwefel ausschie-den. Späterhin entdeckte Vauquelin die Verbindungdieser Säure mit Natron, welche dadurch erzeugt wird,dafs man Schwefelnatrium eine Zeit lang der Einwirkungder Luft aussetzt. Als Dulong eine niedrigere Säuredes Phosphors entdeckt hatte (von welcher weiter untendie Rede sein wird) gerieth Gay-Lussac auf die Ver-muthung, dafs die Säure in den geschwefelten schwef-lichtsauren Salzen ebenfalls eine eigentümliche Säuresein möchte, in welchen die Basis mit dem Schwefel undder schweflichten Säure zugleich verbunden sei, oder inwelchen beide zusammen eine Menge Basis sättigten, welchedie schweflichte Säure für sich allein würde neutralisirenkönnen; und diese Vermuthung ist neuerlich auch durchsehr interessante Versuche von Herschel bestätigt worden.

Wir können diese Säure noch nicht in isolirler Ge-stalt darstellen, wenn sie nicht etwa einer von denjeni-gen Körpern ist, welche man durch Behandlung der was-serfreien Schwefelsäure mit Schwefel erhält, vielmehr wirddieselbe, sobald inan sie auf nassem Wege aus ihren Ver-bindungen auszuscheiden sucht, zerstört, indem Schwefelsich niederschlägt und schweflichte Säure in der Flüssig-keit zurückbleibt. Sie bildet sich, wenn entweder schwef-lichtsaure Salze in verschlossenen Gefäfsen mit gepulver-tem Schwefel digerirt werden, oder wenn in Wasser auf-gelöstes Schwefelkalium so lange der Luft ausgesetzt wird,bis dasselbe beinahe farbenlos geworden ist, oder endlichnoch leichter, wenn Zink- oder Eisenfeile in tropfbar-flüssiger schweflichter Säure aufgelöst werden, wo mandie Säure dann auf andere Basen, z. B. Erden und Alka-lien, übertragen kann, wenn man die Mutallsalze mitsolchen niederschiägt. Bei diesen Auflösungen nimmt das