470 Eigensch. d. schweflichten Saure.
Schwefel durch sie daraus niedergeschlagen. Diefs findetjedoch beim Schwefelwasserstoffgase nicht statt, sobaldbeide Gase trocken sind. Kommt aber Wasser hinzu, sowerden die Gase augenblicklich zerlegt, und es bildetsich ein schwefelhaltiges Magma, welches, nach Thotn-sons Behauptung, eine eigene, aus Schwefel, Wasserstoffund Sauerstoff bestehende Säure sein soll, welches indes-sen wenig wahrscheinlich erscheint. Wird mehr Wasserzugesetzt, so bleibt blofs Schwefel zurück. Mit Sauer-stoffgas über Quecksilber vermischt, leidet sie keine Ver-änderung; setzt man aber Wasser hinzu, so werden all-mählich beide Gasarten absorbirt, und es wird Schwefel-säure gebildet. Dabei verbinden sich immer 2 Theileschweflichtsaures Gas mit 1 Theile Sauerstoffgas. Dasschweflichtsaure Gas bleicht die thierischen Körper undzerstört die Pflanzenfarben. Man bedient sich daher des-selben in Fabriken beim Bleichen seidener und wollenerZeuche; man nennt diese Arbeit schwefeln, und brauchtdazu das Gas, welches sich aus brennendem Schwefelentwickelt. Die flüssige Säure hat dieselben bleichendenEigenschaften, wie das Gas. Sie röthet die Lackmustink-tur oder andere blaue Pflanzenfarben nicht so, wie dieanderen Säuren, sondern vertilgt sie gänzlich; doch istdazu erforderlich, dafs sie völlig frei von Schwefelsäuresei, weil diese die Farben wieder herstellt. Wenn manz. B. eine rothe Rose in schweflichte Säure eintaucht, sowird sie sogleich gebleicht, erhält aber ihre rothe Farbewieder, wenn man sie nachher in verdünnte Schwefel-säure taucht. —. Die Ursache dieser Erscheinung liegt,nach v. Grotthufs’s Versuchen, darin, dafs die schwef-lichte Säure sich mit den färbenden Stoffen verbindet unddadurch einen farbenlosen Körper hervorbringt; kommtaber dieser mit einer stärkeren Säure in Berührung, soverbindet sich der Farbestoff mit dieser, die schweflichteSäure wird ansgetrieben, und ein anderer vom Zutrittder neuen Säure abhängiger Farbenton hervorgebracht.Manche Farben, z. B. Cochenille, werden von der schwef-lichten Säure nicht angegriffen, andere hingegen, z. B.