Druckschrift 
1,2 (1825)
Entstehung
Seite
469
Einzelbild herunterladen
 

Eigenschaft, d. schwefllchts. Gases. 469

daIs, wenn man auf eine, mit Baumwolle umwickelteKugel eines Weingeistthermometers bei -[--10° schweflichteSäure tropft, das Thermometer in der Luft bis —57°,und im Yacuum bis zu —6S° sinkt. Quecksilber ge-friert in der Thermometerkugel, und Bussy hat sogarAlkohol zum Erstarren gebracht. Wird Chlor-, Ammo-niak- oder Cyangas durch eine kleine Glaskugel geleitet,welche mit Baumwolle umgeben, die mit schweflichterSäure befeuchtet ist, so wird diese Kugel so abgekühlt,dafs die Gase ohne alle Hülfe eines stärkeren Druckscondensirt werden.

Die gasförmige schweflichte Säure ist farblos. Ihrspec. Gewicht ist 2,247. Wenn dieses Gas durch Ver-brennen erzeugt wird, so wird dabei das Volum der Luftund des Sauerstoffgases nicht verändert; oder wenn, nacheinigen Versuchen, dabei wirklich eine Zusammenziehungstatt finden sollte, so ist diese gewifs nur zufällig. Die-ses Gas wird sowohl vom Wasser als vom Alkohol be-gierig eingesogen. Nach Saussure’s Versuchen nimmtein Maate Wasser 43|r Maafse, und 1 Maafs Alkohol115Maafse schweflichtsaures Gas auf.

Die schweflichte Säure ist eine der schwächsten Säu-ren und wird von allen übrigen, mit Ausnahme der Koh-lensäure und Blausäure, ausgetrieben. Sie riecht nachbrennendem Schwefel, und hat einen, diesem Gerüchegleichen, höchst unangenehmen Geschmack. Das speci-fische Gewicht des mit schweflichter Säure gesättigtenWassers beträgt nach Fourcroy 1,04, nach Thomson1,05, und enthält nur vier Procent seines Gewichts Säure.Durch Aufkochen wird diese ausgetrieben, und das Was-ser verliert jede Spur von Säure. Läfst man sie in einemflachen Gefäfse oder in einer schlecht verkorkten Flaschean der freien Luft stehn, so saugt sie Sauerstoff ein undverwandelt sich in Schwefelsäure. Eben dieses geschieht,wenn man sie mit braunem Bleisuperoxyd digerirt, wo-bei ihr Geruch augenblicklich verschwindet.

Das Phosphor- und Schwefel wasserstoffgas wird vonder schweflichten Säure condensirt und der Phosphor oder