Druckschrift 
1,2 (1825)
Entstehung
Seite
453
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Geschichte der wasserfreien Schwefelsäure. 453

genwart einer gewissen Portion wasserhaltiger Säure beider Temperatur erhalten kann, welche zur Austreibungder Säure erforderlich ist. Wenn diese Säure erstarrt, sobildet sie blättrige und spröde, nicht zähe Krystalle,welche denen der vollkommen wasserfreien Säure nichtgleichen. Es scheint mir sehr wahrscheinlich, dafs sie auseiner wasserhaltigen Säure bestehen, welche nur halb soviel Wasser enthält, als die gewöhnliche, und dafs siefolglich den sauren Salzen entsprechen, welche die Schwe-felsäure mit den Alkalien bildet. Wird sie bei einer sehrgelinden Wärme destillirt, so wird sie so zersetzt, dafswasserfreie Schwefelsäure übergeht, und gewöhnliche was-serhaltige Säure in der Retorte zurückbleibt.

Die wasserfreie Schwefelsäure war lange bekannt,ohne dafs man eigentlich wufste, was sie war. Fourcroy,welcher bisweilen Thatsachen zur Unterstützung seinerErklärungen erdichtet zu haben scheint, gab an, dafs sieeine Verbindung von Schwefelsäure und schweflichterSäure sei, und dafs er sie durch künstliche Verbindungdieser letzteren hervorgebracht habe. Man hielt dieseErklärung lange für richtig, bis Bucholz, welcher zurBereitung einer Indigo-Auflösung Fourcroys Methode,diese Säure hervorzubringen, prüfte, die Angabe als un-richtig befand. Vogel, in Baireuth, zeigte hierauf durchgut angestellte Versuche, dafs der rauchende Theil dersächsischen Säure, in Verbindung mit Wasser, gewöhnlicheSchwefelsäure, und mit Salzbasen, gewöhnliche schwefel-saure Salze gebe. Obgleich Vogels Versuche die Naturder rauchenden Säure auf eine Art kennen lehrten, welchekeinen Zweifel mehr übrig liefs, so zog er doch nichtselbst das richtige Resultat daraus, sondern wurde durchWinterls Ideen verleitet, den Unterschied zwischendieser und der gewöhnlichen Säure in Etwas zu suchen,was Winterl höhere Begeistung bei der rauchendennannte. Döbereiner zeigte hierauf, dafs die rauchendeSäure mit Basen dieselbe Menge Salz liefere, welche sichder Rechnung nach ergeben mufs, wenn man sie als was-serfrei annimmt, und 10 Jahre später, nachdem dieser