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Am Feierabende des 14. Dezember.
auf mit den Worten: „Wer gerecht ist, werde noch gerechter,und wer heilig ist, werde noch heiliger!" (Off. 22, 11.)Und der weise Sirach (18, 22.) ermahnt: „Scheue dich nicht,dich der Gerechtigkeit bis zum Tode zu befleißen!" EinenAcker nennen wir nicht gut, und wir sind mit ihm nicht zu-frieden, wenn zwar keine Disteln und Dornen auf ihmwachsen, wenn er aber dabei keine Frucht trägt. So istnur Der gerecht, welcher nicht nur das Böse meidet, son-dern auch Früchte des Guten heroorbringt. Deßhalb sagtder göttliche Heiland (Matth. 3, 10.): „Ein jeder Baum,der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und indas Feuer geworfen," d. h. ein Jeder, der das Gutenicht wirkt, wird zum ewigen Feuer der Hölle verurtheilt.Hieraus erhellt deutlich genug, daß uns Allen, wenn wirgerecht werden wollen, die doppelte Pflicht obliege, dasBöse zu meiden und das Gute zu thun und im Gutenimmer weiter vorwärts zu schreiten, sowie der heilige Paulusgethan, der von sich schreibt (Phil. 3, 12—13.:) „ Nicht als wäreich schon vollkommen; ich strebe aber darnach... Ich vergesse, washinter mir liegt, und strebe nach Dem, was vor mir liegt,"d. h. ich vergesse auf Alles, was ich früher geliebt, die Weltund die Sünde, und suche jetzt nur, was vor mir liegt, Tugendund Gerechtigkeit, die himmlischen Güter und die ewige Seligkeit.
Fr. Warum sollen wir uns befleißen, immertugendhafter zu werden?
Antw. Weil der Mensch nur insofern gut undGott wohlgefällig ist, als er tugendhaft ist.
Belehrung. Mit nnermüdetem Eifer sollen wir nachTugend und Vollkommenheit streben. Zwar kostet dieß Müheund Anstrengung; daher hat schon einer der ältesten heid-nischen Dichter gesagt: „Die Himmlischen haben vor die Tu-gend den Schweiß gestellt; nur mit Mühe und Schweiß kannman den Kranz der Tugend erringen." Allein wir dürfendiese Mühe, diesen Kampf nicht scheuen; denn die Tugendmacht uns. gut und groß vor Gott und der Welt; derMensch ist nur insofern gut und Gott wohlge-fällig, als er tugendhaft ist; ein Mensch aber ohneTugend hat keinen innern Werth und keine Geltung vorGott. Ein Sprüchwort sagt: „Was die Nuß ohne Kern,die Quelle ohne Wasser, der Baum ohne Frucht, das Buchohne Inhalt — das ist der Mensch ohne Tugend." Ja,so ist es auch. Nur die Tugend macht den Menschen wahr-haft gut und groß, noch mehr, sie macht ihn wahrhaftreich vor Gott, glücklich auf Erden und selig im Himmel.Daher schreibt der heilige Ambrosius: „Derjenige ist
wahrhaft reich, der vor Gott reich erscheint,... der nichtReichthümcr aufhäuft, sondern Tugenden für die Ewigkeitsammelt." Und der heilige Laurentius Justinianussagt ganz richtig: „Die Tugend ist mehr Werth, als dieGabe Wunder zu wirken und in die Zukunft zu blicken, alsdie Gabe der Sprachen und Heilungen, als die Kenntnißder Natur und des Himmels; denn Viele sind mit diesenKenntnissen zu Grunde gegangen, durch Tugend Niemand."
Beispiele und Anwendung. Wahrlich, es gibtkeinen schöneren Schmuck für eine christliche Seele, als die
Tugend. — AlphonS V., König von Aragonien, derWeise und Großmüthige genannt, legte niemals einenWerth darauf, eine Pracht in seinen Kleidern zu zeigen:sein ganz einfaches Aeußere unterschied ihn wenig von einemgewöhnlichen Menschen. Da man ihm vorstellte, er solltedoch die königliche Majestät mehr behaupten und zu er-kennen geben, antwortete er: „Nicht Purpur, nicht derGlanz der Diamanten soll einen König auszeichnen, sondernWeisheit und Tugend; das ist ein wahrhaft königlicherSchmuck, der den Menschen vor Gott und der Welt großund beliebt macht." — Ja, die Tugend macht uns nichtnur groß und wohlgefällig vor Gott und der Welt, sondernsie ist auch zugleich ein bleibendes Gut, das uns durchNichts entrissen werden kann. Ganz treffend ist daher dieAntwort, welche einst der gute Ritter Bayard einem Edel-manne gab. Als nämlich letzterer den Ritter Bayardfragte, welche Güter ein Edelmann seinen Kindern hintcr-lassen solle, so entgegncte er: „Solche, die ihnen weder dieZeit, noch irgend eine menschliche Macht je entreißen kann:Tugend und Frömmigkeit." — Nach dieser wahrenZierde deiner unsterblichen Seele, nach diesem bleibendenGute mußt auch du trachten, m. chr. Leser! wenn du aus