Druckschrift 
6 (1852) Die Gruendung Prags
Entstehung
Seite
387
Einzelbild herunterladen
 

Nicht kranket mich, daß du den Pflüger liebtest,

Es schmerzet mich, daß du Verstellung übtest.

Doch welches Recht ist, das dich nicht begnade,

Wer ist'S, der dich zu richten sich entblödet,

Du hast für ihn, für mich, für dich getödtet.

Wla ^ (mit steigender Leidenschaft).

Was hilft dir Liebe, und was hilft mir Gnade,

Was hilft dir Offenheit, Vertrau'n, Geständniß?

Das Schicksal nur beherrschet die Erkenntniß,

Auf dunklem wie auf feuerhellem Pfade.

Mehr weiß ich, als du jemals hast erfahren,

Kein Gott, kein Lieben kann mir Heil bewahren;

Auf Wetterwolken bin ich hingefahren,

Und vor mir furchten Pcron's glüh'nde Schaaren,Und in der Furche rann der Männer Blut;Getrunken hab ich schnell in meine Wuth,

Ward auf des Ungewittcrs wildem WagenZum Schmaus der Unterirdischen getragen.

Da saß der grimmen Zukunft scheuslich Bild,

Es riß mich au sich, und auf diesem SchildMußt ich den blut'gen Becher ihm kredenzen,

Mit Dornen dann das Schlaugenhaar ihm kränzen;Da ging der Kelch des Todes in die Runde,

Und Fluch und Kuß entstürzt von Mund zu Munde,Und jeder Fluch war Fessel zu dem Bunde,

Und jeder Kuß war eine schrei'nde Wunde,

Und jede Brust war eines Schwerdtes Ziel;

Es spielten die Geschlechter blutig Spiel,

Um Lust, Noth, Mord, des Todes Schleier fiel,

Sie schäumten blutig wie verbiss'ne Hunde,

Und nimmer ward der Becher leer zum Grunde,

Da leert ich ihn zur grau'ndcn Morgenstunde;

25 *