Vrzcrvoslaus.
Nicht frevelt jetzt, das Rechte muß geschehen.
Libussen's Zug geht aus dem mittelsten Bogen des Schlosses die Treppenherab. Voran spielen Hornbläserinnen einen ernsten Marsch; ihnen folgenJungfrauen mit Teppichen und Polstern, sodann Wlasta mit der gelben FahneChech'S, ein schwarzer Adler im rothen Schilde, vor ihm ein großes kelchförmigesBecken, weiter Stratka und Scharka als Führerinnen der weiblichen Leib-wache, in deren Mitte Libussa. Die Hornbläserinnen erscheinen auf demThorthurme, worauf Wlasta die Fahne steckt. Dieses öffnet sich nun; mansieht die Mägdlein beschäftigt, das Innere des Thores mit Teppichen zu behängenund mit den Polstern einen orientalischen Sitz zu bereiten. Die Wache tritt zubeiden Seiten die Stufen herab, und Libussa im herzoglichen Schmucke durchden Hintern Teppich herein vor ihren Sitz. In diesem Augenblicke schweigen dieHörner auf dem Thurm und man Hört in der Ferne den Schluß einer ähnlichenMusik wie einen Wiederhat!.
Libussa.
Begrüßet mich der Widerhall des Waldes?
Nochmals ertönt, ihr Hörner!
(Die Hornbläserinnen geben einen Accord an, eine modulirte Erwie-derung ertönt in der Nähe.)
Diesseits schallt es.
Der Kascha Lied! schau, flücht'ge Scharka, eile!
Ihr guten Männer, gönnt mir eine Weile,
Daß ich sie zärtlich schließ an diese Brust,
Sie ist's, sie ist's, o theilet meine Lust.
Nozhon
(mit bedecktem Haupt und fliegendem Haare, den Stock in der Hand, tritt vonder andern Seite ungestüm vor Libussa).
Libussa, hieher schau, gib mir mein RechtGen Slawosch, gen den Schleicher, und bezeigeAn mir zuerst, daß würdig dein GeschlechtDen Richtstuhl über Männer hier besteige.
Libussa (befremdet).
Wer tritt ohn' Gruß und Anred' frech vor mich,
Wer bist du, wer dein Gegner, wer bin ich?
Noch nicht eröffnet ist hier das Gericht.