Türkei und Griechenland (1829 und 1830) 605
aber sich so viel als möglich den monarchischen Formen nähern und einem christli-chen Fürsten, erblich nach dem Rechte der Erstgeburt, übertragen werden sollte.Den künftigen Fürsten von Griechenland wollten die drei Hose mit der Pforte ge-meinschaftlich wählen, jedoch nicht aus den Familien der drei Hofe. — Bei Über-sendung einer Abschrift dieses Protokolls an die griechische Regierung verlangteder britische Resident, Dawkins, zu Ägina am 18. Mai 1829, daß die von demReis-Effendi am 10. Sept. 1828 angekündigte Fortdauer des bereits factisch vonSeiten der Türken eingetretcnen Waffenstillstandes auch von Seiten der GriechenWaffenruhe zur Folge haben, und daß die griechischen Truppen innerhalb des nachder Acte vom 16. Nov. 1828 unter die Garantie der drei Machte gestellten Bezirksdes griechischen Territoriums (s. S. 600) zurückgcrufen werden sollten. Dies wardie erste diplomatische Mittheilung der Verhandlungen der drei Machte über Grie-chenlands Schicksal. Auch verlangte die Regierung der ionischen Inseln die Auf-hebung der Blockade von Prevesa. Der Präsident antwortete darauf am 23. Mai»daß die griechische Regierung nicht den Acten des National-Cvngresses entgcgcn-handeln und auf das griechische Festland, das mit Morea ein Ganzes wie eine Na-tion ausmache, verzichten könne, daß jener factische Waffenstillstand der Türkennur eine defensive Stellung sei, die sie zu jeder Zeit verlassen könnten, indem diePforte die Vermittelung der drei Machte stets abgelehnt, folglich in einen Waffen-stillstand mit Griechenland nicht cingewilligt habe. In Folge dieser Antwort setztendie Hellenen den Krieg gegen Athen und die Blockade der Insel Negroponte fort.Des Präsidenten Erklärung ward durch die am 23. Juli 1829 zu Argos eröffnete(4 ) griechische Nationalversammlung am 3. Aug. vollkommen gebilligt. Gleich-zeitig unterhandelten Sir Rob. Gordon und Graf Guilleminot mit der Pforte überdie Vorschläge des Protokolls vom 22. Marz. Allein der Sultan zeigte sich (zum14. Male) unerbittlich; auch Wellington schien nicht geneigt, mit mehr Nach-druck zu handeln. Erst nach den Siegen der Russen entschloß er sich dazu, Mah-mud aber bequemte sicherst, nachdem die Russen den Balkan überschritten hatten,über die griechische Frage zu unterhandeln; allein unter noch Harkern B-dingungen,als das Protokoll enthielt. Endlich zerhieb der 10. Art. deS Friedensschlusses vonAdrianopel den gordischen Knoten der Triple-Allianz. Nun nahmen die Eonferen-zen in London wieder ihren Anfang. Wellington willigte in die Souverainetat deskünftigen Fürsten von Griechenland und in die völlige Unabhängigkeit des neuenStaates von der Pforte. Dagegen bewirkte er, daß das londoner Protokoll vom3. Febr. 1830 das griechische Gebiet verkleinerte, wodurch der Staat mittelbar vonfremdem Schuhe (dem britisch - ionischen) abhängig werden muß. Es sollte näm-lich die Grenzlinie von der Mündung des Flusses Aspropotamos an diesem Flussehin bis auf die Höhe des Sees Arghelo-Castro laufen, diesen See, sowie die vonVrachori und Saurowina durchschneiden, sich dann gegen den Berg Artolino wen-den, hierauf dem Kamme des Berges Axos, dem Thale von Kalouri und demKamme des Berges Üta folgen bis an den Golf von Zeituni, an der Mündung deSSperchios. Zu Griechenland gehören demnach: Negroponte nebst den Teufels-inseln, die Insel Skyro und die Cykladen (36 — 39° Br. und 26 — 29° L. öst-lich von Greenwich). Zugleich ward dem Prinzen Leopold von Sachsen - Koburgdie erbliche Würde eines „souverainen Fürsten von Griechenland" angetragen.Dieser machte zwar einige Bedingungen (er verlangte Samos und Kandia fürGriechenland, ferner Truppen, Geld und Bürgschaft), konnte jedoch jene Erwei-terung des Gebietes nicht erlangen. Hierauf nahm er am 11. Febr. die Würdean, und ward durch das Protokoll vom 20. Febr. förmlich als souverainer Fürstvon Griechenland anerkannt. Auch die Pforte erklärte am 23. April 1830 ihreEinwilligung in diese Bestimmungen. Allein zu Wellington's bitterm Verdruffegab Prinz Leopold schon am 21. Mai 1830 seine Entlassung. Er hatte nämlich