Türkei und Griechenland (1829 und 1830) 601
Kolokolronis, Tsavellas, Dentzel, Vrathos u A) in das eigentliche Hellas (Liva-dien) ein, schlug die Türken unter Mahmud Pascha bei Lomotico am 3. Nov.,eroberte hierauf am 3 Dcc Salona, dann die Städte Lepanto und Livadia, undGeneral Church am 17. Marz 1829 Vonizza; Anatoliko und Miffolunghi capitu-lirten am 17. Mai 1829. Der bisherige Befehlshaber der Türken, ReschidPascha, war nach Konstantinopcl berufen worden. — Auch auf Kandia brachder Aufstand der Griechen wieder aus, was die Ermordung vieler Griechen inKanea (14. August 1828) zur Folge hatte, worauf die Engländer diesen Ha-fen sperrten. Ein Moreote, Hadschi Michails, welcher später im Kampfe um-kam , war der Urheber des erneuerten Kampfes gewesen. Mustapha Pascha, derBefehlshaber der ägyptischen Truppen auf Kandia, hatte Mühe, der Erbitterungder Türken gegen die hellenischen Bewohner der Städte Einhalt zu thun. DieGriechen bemächtigten sich jedoch fast des ganzen offenen Landes von Kandia, undeine ägyptische Flotte, welche Truppen des Vicekönigs nach Kreta bringen sollte,ward von der russischen zur Rückkehr genöthigt. Da nun zugleich der russ. Eontre-admiral Ricord mit einem Linienschiffe und 3 Fregatten bei Tenedos die Dardanel-len seit dem 14. Nov. 1828 blockirte, so rüsteten die Griechen eine Menge Kaper-schiffe aus, um alle Zufuhr nach Konstantinopel abzuschneiden. Die Hauptstadtlitt bald an Lebensmitteln großen Mangel, bei welcher Gelegenheit der niederlän-dische Gesandte die Nothlcidenden sehr unterstützte. Allein der Sultan ward da-durch so wenig zum Nachgebcn genöthigt, daß er vielmehr alle nicht aus Konstan-tinopel gebürtige und daselbst nicht ansässige Griechen und Armenier (etwa 25,000Köpfe) aus der Hauptstadt verwies, und am 29. Nov. in allen Moscheen durch ei-nen Firman den Moslim ankündigte, daß sie — was bisher nie der Fall gewesenwar — auch während des Winters unter den Waffen und im Felde bleiben sollten.
Jetzt stand, nach 7jährigem Todeskampfe, das hellenische Volk zwar unterdem Schutze der 3 ersten europäischen Mächte; allein Mahmud weigerte sich den-noch , sein Vernichtungsurtheil zu widerrufen, das er aussprach, als er vor wenigJahren dem Dram-Ali befahl, ihm die Asche des Peloponnesos zu bringen; denn— England zögerte, die Sache der Menschheit zu entscheiden. Selbst die Fran-zosen schienen sich zurückzuziehen. Der größteTheil ihrer Expedition verließ Morca,wo Seuchen und Entbehrungen viele Menschen hingerafft hatten, im Jan. 1829.Doch dauerten die Geldunterstützungen fort. Auch ward vom franz. Minister desInnern eine wissenschaftliche Expedition von 17 Franzosen in 3 Sectionen, denendie königl. Akademie Verhaltungsregeln gab, nach Morea veranstaltet. Endlichließ die franz. Regierung mehre hundert Hellenen in Ägypten aus der Sklavereiloskaufen, und der König v. Frankreich übernahm die Erziehung der verwaistenKinder. — Morea selbst war das Bild der Zerstörung. Die Olivenwälder hatteIbrahim, so weit seine Araber streiften, niedergcbrannt, und das hellenische Volkwar im Elend wie in der Verwilderung tief versunken. Erst nach zahllosenSchwierigkeiten gelang cs dem klugen Capodistrias — er hatte selbst mit Verrathund Undank zu kämpfen — die größten Hindernisse einer geordneten Verwaltungwenigstens zum Theil zu besiegen. Er theilte für diesen Zweck am 25. April 1828den hellenischen Staat in 13 Departements. Sieben davon bilden den Peloponnes(403 LM., 600,000 Einw ); das 8. die Nordsporaden (5 Hs M., 6200 E.);das 9. die Ostsporaden (15HsM., 58,800 E.); das 10. die Westsporaden (8HjM., 40,000 E.); das 11., 12. und 13. die Nord-, die Central- und die Süd-cykladen (554 PM., 91,500 E.). Das Ganze also: 487 H,M., 796,500 E.Das Panhellenion erhielt 3 Sectionen: die der Finanzen, des Innern und desKrieges; jede bestand aus 7 Mitgliedern, und die 3 Secretaire dieser Sectionen ma-chen das Ministerconseil des Präsidenten aus. An die Stelle des Secretairs derauswärtigen Angelegenheiten, Trikupi, trat jetzt Nicol. Spiliadis. Der erste