Druckschrift 
12 (1830) W bis Z
Entstehung
Seite
600
Einzelbild herunterladen
 

600

Türkei und Griechenland (1828)

Pascha, und der franz. General Schneider mußte förmlich Bresche schießen, etedie Türken am 30. Oct. auf Gnade und Ungnade sich ergaben. Sämmtliche Tür-ken wurden jetzt von dem franz. Admiral Rigny nach Smyrna geführt. Die Con-mandanten von Koron, Modon und Patras aber (Achmet Bey, Mustapha rndJacob!) flüchteten sich nach Frankreich, um dem Zorne des Sultans zu entgehen.Hierauf wurde der Golf von Lepanto für neutral erklärt, jedoch das Fort voirLe-panto (in Rumelicn) nicht gehindert, die gewöhnlichen Zölle zu erheben. ÜberMorea hinaus ward von den Franzosen nichts Feindliches gegen die Türken unter- >nommen, weil der Sultan sonst den Krieg an Frankreich erklärt haben würde.Dies suchten aber England und Frankreich zu vermeiden, damit sie in dem Kriegeder Pforte mit Rußland ihre Vermittelung geltend machen könnten. Daher wollteEngland das Gebiet des hellenischen Staats auf Morea und die Cykladen beschrän-ken; dagegen schlugen der russ. und der franz. Botschafter in Poros vor, die Gren-zen der wiedergeborenen Nation von Negropontc an bis zum Golf von Arta auszu-tehnen. Vergebens rieth jetzt auch Preußen durch einen außerordentlichen Gesand-ten, den Hm. v. Canitz, der Pforte, nachzugeben und an den Verhandlungen zuPoros Thcil zu nehmen. Der stolze Mahmud verlangte im Gegcntheil dir Rück-kehr des franz. und des brit. Gesandten nach Konstantinopel. Die Botschafter der3 Höfe verließen daher Poros und begaben sich im Jan. 1829 nach Neapel. Um) ''och Morea vor neuen Einfällm der Türken zu schützen, vereinigten sich die 3VHöfe zu London (durch ihre Minister: Aberdeen, Polignac und Licven) zu einer jErklärung an die Pforte (16. Nov. 1828), in welcher sie ihr anzeigtcn:daß sie,da ihre verbündeten Strcitkräfte sich anschickten, sich aus Morea zurückzuziehcn,nachdem sie ihre friedliche Sendung daselbst vollbracht hatten, bis zu der Zeit, woeine definitive Übereinkunft durch gemeinschaftliche Zustimmung mit ihnen dasSchicksal der Provinzen,''welche die Allianz militairisch habe besehen lassen, geord- >net haben würde, Morea und die cykladischen Inseln unterihre provisorische Garantie stellten, und aus diesem Grunde denEintritt irgend einer Militairmacht in dieses Land als einen Angriff gegen sich 'selbst betrachten würden; sie foderten daher die Pforte auf, sich mit ihnen über dieendliche Pacification Griechenlands zu verständigen". Diese Note überbrachte derfranz. Agent Zaubert nach Konstantinopcl. Als auch dies nicht zum Ziele führte,Rußland aber und Frankreich eine Erweiterung der Grenzen Griechenlands vec- .langten, so wurde in dem Friedensprotokolle vom 22. März 1829 die GrenzeGriechenlands bis zu den Meerbusen von Arta und Volo ausgedehnt. So hart-näckig iudcß der Sultan die Vorstellungen der Friedenspartei selbst unter den Ulc-mas, von denen Mehre deßhalb nach Asien verbannt wurden, zurückwies, so zeigteer dennoch bei mehren Anlässen eine völkerrechtliche Gesinnung. Er schloß z. B.den Bosporus für den Handel der Neutralen mit Rußland erst am 13. Sept. Erließ die russ. Gefangenen gut behandeln und schützte selbst die in Konstantinopel nochansässigen Russen. Auch wurde der durch so Vieles erhitzte Pöbel glücklicher alssonst im Zaum gehalten. Den Großvefier, Mchmed Selim, verwies er wegenseiner beim Entsätze von Varna bewiesenen Langsamkeit nach Gallipoli; sein Feld-geräth aber übergab er dem zu seinem Nachfolger ernannten Kapudan Pascha, ei-nem jungen Manne von 30 Jahren, Jzet Mehmed. Zugleich rief er das ganze 'Volk von 1760 Jahren zu den Waffen, und aus Asien rückte ein starkes Reiter-Heer unter dem kühnen Tschapan-Oglu in die Heerlinie ein, um den Feldzug 1829zu eröffnen.

Die Griechen setzten unterdessen die Feindseligkeiten fort. Der hellenische >Großadmiral Cochrane kam nach 8monarlicher Abwesenheit den 30. Sept. amBord des neuen gricch. Dampfschiffes, Hermes, in PoroS an, und DemetriusVps'lontis drang an der Spitze von 5000 M. (unter ihm dienten die Chiliarchen