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Türkei und Griechenland (1827)
England mit ihm und Frankreich gemeinschaftlich, zu London am 6. Juli 1827den Pacificationsvertrag Griechenlands. Canning wollte die Entscheidung dergriechisch-türkischen Frage leiten, ohne daß Rußland in einen Landkrieg mit derPforte verwickelt, und Europa dadurch von einem allgemeinen Kriege bedroht würde.Sein Tod (8. Aug. 1827) und Wellington's (s. d., Lord Goderichs Nachfolger)schwankende, ja zweideutige Politik vereitelten zum Theil Canning's edle Entwürfe.
Unterdessen hattedas agypt. Heer fast alle Theile vc-n Morca durchzogen und ineine Einöde verwandelt, ohne auch nur ein einziges griech. Dorf unter s. Gehorsam zubringen. Familien von allen Punkten Griechenlands drängten sich unter den MauernNauplias zusammen und duldeten lieber alle Gräuel des Elends und Hungers, alsirgend einen Vertrag mit ihren muselmännischen Henkern einzugehen. Durch dieVerzweiflung wurden freilich manche dieser Unglücklichen zur Seeräuberei getrieben.Jndeß bestanden die meisten Corsaren in den griech. Gewässern, die nicht einmaldie griech. Flagge verschonten, aus Übelthäiern und Verwiesenen aus den ionischenJustin, aus Dalmatien und Italien. Neue Scharen von Kriegern drangen ausden Gebirgen hervor, und Kolokotronis griff mehrmals das von 3000 Ägypternunter Soliman Bei (dem franz. Renegaten la Seve) vertheidigte Tripolftza an.Einfluß des Klima und Seuchen hatten das ägyptische Heer geschwächt. Dessen-ungeachtet konnte Tripolizza nicht erobert werden. Jndeß traf die im Januar1826 zusammcnbcrufene Volksversammlung zu Megara mehre Maßregeln zurEinrichtung der Innern Verwaltung, besonders in Hinsicht der Rechtspflege undder Staatseinnahme. Zugleich ward ein Zug nach Negroponte vorbereitet und derin Kandia 1825 wicdcrauSgebcochenc Aufstand der Griechen unterstützt, wo Ka-rabusa von ihnen genommen wurde. — Allein Mangel an Geld und Lebensmit-teln , vorzüglich aber der Zwist der Heerführer, das Mißtrauen der von ihren An-führern getäuschten Palikarcn, und der Undank der Hellenen gegen die Philhelle-nen oder Taktiker waren Schuld, daß keine wichtige Unternehmung gelang. Sogeschah es, daß Athen, nachdem die Griechen in dem Kampfe, der Athen ent-setzen sollte, feig geflohen waren, am 7. Juni 1827 mit Capitulation an ReschidPascha überging. Vergebens war Lord Cochrane, durch die schlechte Bauart decvon den Griechen theuer bezahlten Dampfschiffe in England lange aufgehalten, end-lich in Griechenland als Admiral an die Spitze der Seemacht, und General Ehurchan die Spitze der Landmacht, Beide im Dienste der Republik, getreten. Die Os-manen blieben im Besitz von ganz Ost - und Westhellas. Die Noth vermehrtenoch ein blutiger Parteicnkampfin Nauplia selbst. Hier beschoß Grivas, im Be-sitz der Feste Palamcde, die Stadt, um Sold zu erpressen. Die Nationalregie-rung flüchtete sich auf die Insel Ägina. Jetzt wandte sie ihre Blicke nach Rußland.Sie wählte den Grafen Capodistrias (s. d.) zu ihrem Präsidenten. DieserStaatsmann nahm darauf (13. Juli 1827) seine Entlassung aus dem ruff. Dienste,kennte aber erst am 22. Januar seinen hohen Posten antreten.
Unterdessen hatten die Gesandten der drei Mächte am 16. Aug. der Pforteden londner Pacisicativnsvertrag übergeben und darauf bis zum 31. Aug. Antwortverlangt. „Griechenland", schlugen sie vor, „sollte sich selbst regieren, jedoch derPforte Tribut bezahlen". — Europa durfte jetzt um so mehr Griechenlands Selb-ständigkeit von der Pforte verlangen, damit die Seeräuberei in den griechisch- tür-kischen Gewässern aushörte, welche die mit vielen Kosten verbundene Ausrüstungvon Kriegsgeschwadern nöthig machte, damit kein ägyptisch-afrikanischer Sklaven-und Räuberstaat Europas schönes Jnselmeer beherrschte, damit endlich gesetzlicheOrdnung an die Stelle blutiger Anarchie träte, welche zu unterdrücken die Pforteselbst weder die Einsicht hatte noch die Kraft. — Die hellenische Negierung vro-clamirte sofort (am 25. Aug) den nach dem londner Vertrage eingctretenen Waf-fenstillstand; allein der Reis-Esscndi wies am 31. Aug. jede Intervention der 3