Zwingli 576
Seine fernere Ausbildung erlangte ec auf der Universität zu Wien, wo er sich derf Philosophie, -«rd in Basel, wo er sich unter Wpttenbach der Theologie widmete.^ Er wurde 1506 Pfarrer in Glarus, und hier that er, was Luther im Augustiner.
^ kloster zu Erfurt that: er las fleißig die heilige Schrift. Die Briefe P-nli! schrieb er in der Grundsprache ab und lernte sie auswendig, was ihm nachher bei8 seinen Disputationen gute Dienste that. Den Feldzügen der Glar -er für den Papst» gegen die Franzosen in der Lombardei wohnte er 1512, 1513 und 1515 als Feld-A Priester bei, für welchen Dienst er bis 1517 vom Papste eine Pension von 50s Gruden jährlich bezog. 1516 kam er als Prediger in das durch die vielen Wall-fahrren berühmte Kloster Maria - Einsiedeln. Hier zeigte sich sein Geist erhabenüber een Geist der damaligen Zeit, und ihm weit vorstrebend, als er, mit elnor bes-sern Einsicht ausgerüstet, wider die in der Kirche eingeriffenen und für sie selbst in! moralischer Hinsicht so verderblichen Mißbrauche, ja sogar wider die Wallfahrten! und die Verehrung der Maria mit Eifer predigte, und die Bischöfe zu Sitten undf Konstanz auffodrrle, die Verbesserung der Rsli'gionssätze nach Anleitung des! göttlichen Wortes thatig zu befördern. Doch war er damals noch so wenig ver-dächtig, daß ihm der päpstl. Legat Ant. Pulci l 518 das Diplom als Akolulhrn-j Caplan des heil. Stuhls gab. Bald darauf ward er nach Zürich berufen und trat' s. Amt als Leutpriester oder Pfarrer am großen Münster daselbst d. I.Jan. 1516mit einer Predigt an, worin er sich für das reine Evangelium und gegen den Pen-k kopenzwang erklärte. Daher hat am 1. Jan. 1819 die rcformirte Kirche in deri Schweiz ihr Jubelfest begangen. In diesem Pfarramte, zu dem er 1521 noch eineStelle als Chorherr erhielt, that er sich besonders durch seine Predigten über die dibli-
- schen Bücher hervor, und man kann als sicher annehmcn, daß diese Predigten mdst! denen wider Jrrlhümer, Aberglauben und Laster den Grund zu stimm nachmaligen
- Reformationswcrke legten. Er hatte eben dieselbe Veranlassung dazu, die LutherI hakte. 1518 fand sich nämlich Bernardin Samson, ein Franciscaner aus Mai-I land, in der Schwei; ein, in der Absicht, für den päpstl. Hof durch den Ablaßkramr Geld zu gewinnen. Z., der bei Samfon's erstem Erscheinen noch in Einsiedel»i predigte, widersehtc sich ihm sowol hier als in Zürich mit der ganzen Gewalt seimr
Kanzelbercdtsamkeit, und erlangte, da der Ablaß schon überall verhaßt gewordenwar, doch so viel, daß er in Zürich nicht in die Stadt gelassen wurde. Sogar derBischof von Konstanz, dm Samfon's mönchischer Dünkel sehr beleidigt hatte, un-terstützte Z. in seinem Angriffe auf jenen. Von nun an ging Z. mit dem ci'nstim-! irrigsten Beifall der Züricher und eines großen Theils der übrigen Schweizer immerj weiter; denn die Obrigkeit in Zürich unterstützte seine Verbesserungen dergestalt,' daß sie schon 1520 einen Befehl durch ihr Gebiet ergehen ließ, vermöge dessen dasWort Gattes ohne menschliche Zusätze gelehrt werden sollte. 1522 wurde daselbst^ die Reformation auch in außirlichen Sachen vorgenommen. In demselben Jahrei schrieb Z. s. erstes Buch gegen die Fasten der röm. Kirche und sing das Studium^ der hebr. Sprache an. Die von Adrian VI. ihm gemachten Anerbietungen zu ho-hen geistlichen Ehrenstellen machten ihn nicht wankend. 1523 lHd der Stand Zü-j rich alle Theologen, die Z. eines Bessern überführen könnten, zu einer Unterredung' nach Zürich ein. Bei dieser Disputation waren an 600 geistliche und weltlichei Personen beisammen. Z. halte s. Glaubensartikel, welche der Gegenstand dersil-'! den sein sollten, an der Zahl 67, aufgesetzt; allein die Einwendungen des berühm-ten Jeh. Fader, nachmaligen Bischofs zu Wien, schienen der Obrigkeit-zu Zürichso wenig befriedigend, daß sie vielmehr Z,'s Lehrart als richtig anerkannte und den-, selben nebst seinen Gehülken bei derselben bestätigte. Die zweite Disputation, beiwelch,r A, nebst seinen Amtsgenossen in Gegenwatt von mebr als 900 Personens die Verwerfung des Bilderdienstes und der Messe mit solchem Erfolge verlhoidigte,dass sie aus sbngkritlichen Befehl einen Unterricht für die Prediger des Züricher Ge-
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