Druckschrift 
12 (1830) W bis Z
Entstehung
Seite
553
Einzelbild herunterladen
 

553

Zschokke

der Janilscharcnaga Ali Bossa das Wasser abgraben wollte, um desto eher zu denBasteien zu kommen, machten die Belagerten einen Ausfall mit 400 M., der ih-nen trotz des Sieges denn sie vernagelten dem Feinde mehre Stücke doch dasLeben vieler Tapfern kostete. Vom 26. Aug. bis 1. Sept. geschahen täglich 7 undmehre Stürme aus das Schloß, die Z. immer zurückschlug. Ebenso standhaft wie«er alle Anerbietungen des Feindes von sich; selbst die Drohung des Großvesiers,daß der Sultan s. vorgeblich in türkische Gefangenschaft gerathcnen Sohn ermordenlassen würde, wenn er die Festung nicht Übergabe, konnte s. Entschluß nicht erschüt-tern. Vor Zorn und Verdruß darüber außer sich, starb Suleyman, welcher zuletzt1060 Goldgülden auf Z.'s Kopf gesetzt hatte, den 4. Sept. an der Lagerseuche-Der Großvesier verbarg s. Tod den Truppen. Am 5. Sept. gelang cs den Türken,das äußere Schloß in Brand zu stecken. Z. flüchtete mit den Scinigcn in das in-nere; vergeblich suchte der Türken ganzes Fußvolk mit ihm zugleich in das Thor derinnern Burg zu dringen. In dieser war aber weder Mund- noch KriegSvorrath,und der längere Besitz derselben ganz abhängig von dem äußern Schlosse. Da un-l ternahmcn die Türken am 7. einen allgemeinen Sturm. Schon siel das Feuer bis> in des Grafen Gemächer; die Burg brannte. Jetzt versammelte Z. die Scinigen.Ohne Panzer, nur mit Helm, Schild und Sabel trat er unter sie:Gedenkt", riefer,eures Eides! Wir müssen hinaus. Oder wollt ihr hier verbrennen, wollt ihrverhungern? So laßt uns sterben als Männer. Ich gehe voran, thut, was ich".! Damit stürzte er die Schloßbrücke hinaus, s. Sechshundert ihm nach und hineinunter die Hundcrttausende von Türken. Bald traf ihn der erste, dann ein zweiterSchuß; er siel und kämpfte, bis der dritte Ungarns Lconidas tödtete. Alle die Sei-' rügen kamen um, zum Theil zurückgedrängt in das brennende Schloß. Aber hiersprangen plötzlich Z. hatte Lunten gelegt die verschiedenen Pulverkammern indie Luft, und eine große Zabl Türken wurde zerschmettert. Die Belagerung hattedem Sultan über 20.000 M. gekostet, und ihm selbst das Leben. Die Türkenbehaupteten den Platz bis 1689. Der Janitscharenaga ließ Z.'s Kopf auf einerStange vor des Sultans Gezclt aufstellen; dann ward das furchtbare Haupt, aus? Achtung gegen Z.'s Heldentod, dem kaiserlichen Fcldherrn, Grafen v. Salm,nach Raab geschickt. Das Geschlecht der Z. erlosch 1703. Von Z.'s zerstörterFeste sind nur noch die mit Neben bepflanzte» Wälle zu sehen. Ein Trauerspiel:Zrini", von Theod. Körner, stellt die erzählte Katastrophe dar, verfehlt aber diewahre Erschütterung durch ein unnatürliches Effecthaschcn. An demselben Fehler,wozu noch Mangel an strenger historischer Kritik kommt, leidet die Biographie desHelden in Hormayr'sOstreich. Plutarch", 7. Bd.

Zsch okke (Johann Heinrich Daniel), der ausgezeichnete, dem denkendenwie dem unterhaltungslustigen Publicum Deutschlands gleich werthe Schriftsteller,geb. zu Magdeburg d. 22. März 1771, war der jüngste Sohn wohlbemittelter Al-tern. Früh verwaist, erhielt er s. erste Bildung auf der Klosterschule U. L. Frauenund dem Gymnasium der Altstadt, wo er zuerst größtentheils heimlich alte und neueDichter und Philosophen las. In Lebensüberdruß versunken, riß er sich durch eineReise, die das Ansehen einer Flucht hatte, aus s. Verhältnissen heraus, trieb sicheine Zeit lang mit wandernden Schauspielern als Schauspieldichtec umher und be-zog sodann, mit den Seinigen ausgcsähnt, die Universität Franks, a. d. O., wo erohne festen Plan Philosophie, Theologie, Geschichte und schöne Wissenschaften,auch Cameralwissenschaften studirte. 1792 trat er hier als öffentlicher Lehrer auf,indeß konnte er weder Anstellung noch Besoldung erlangen. Wie wenig die anhal-tende, streng wissenschaftliche Anstrengung den Schwung der Phantasie, überhauptdas Spiel ästhetischer Empfindungen unterdrückt hatte, zeigten bald darauf mehreschriftstellerische Versuche im dramatischen Fache. Sie haben auf der Bühne zumTheil Glück gemacht, besondersAbällino", der noch jetzt hoch in der Volksgunst