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12 (1830) W bis Z
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549
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Zorndorf (Schlacht bei) 549

leicht zum Zorn erregt, aber die Leidenschaft ist kurz und unkräftig; am seltenstenwird der Melancholiker und Phlegmatiker in Zorn versetzt; der rohe Naturmenschist ihm mehr unterworfen als der Gebildete, der sich zu beherrschen gelernt hat; der- Gutmüthige ist dem Zorne weniger zugänglich als der Bösgesinnte. Bei öfterer, Beoanlassung und Mangel an Beschränkung und Selbstbeherrschung entsteht I ä h-zorn; doch nennt man oft auch so jeden schnell hervorbrechenden Zorn. Es ist na-türlich, daß eine Leidenschaft, wie die beschriebene, der Gesundheit oft nachtheiligwerden müsse; die gewöhnlichsten Krankheiten, die er erregt, sind hitzige, vorzüglichi Gallensieber, Entzündungen der Leber, des Herzens, Gehirns rc.; gallichtes Erbre-chen und Cholera, ja selbst Manien (ira brsvi» kuror) können entstehen. Solchel Zufälle entstehen unmittelbar nach dem Zorn; andre folgen nach längerer Dauerj und öfterer Wiederkehr, z. B. Krämpfe, Lähmungen, Gelbsucht, Wassersucht, Aus-zehrung, nervöse Fieber. Die Milch erzürnter Mütter und Ammen veranlaßt Con-vulstoncn des Säuglings, ja man hat gesehen, daß sie wie starkes Gift augenblick-lich den Tod desselben herbeiführte. Bei so schlimmen Folgen ist es sehr wichtig,den Zorn zu vedmeiden, denselben zu mäßigen und seinen Wirkungen vorzubeugcn.Die Bekämpfung der Leidenschaft aber wird immer von der Stärke und Bildungdes eignen Geistes ausgchen müssen, denn alle Veranlassungen zum Zorne werdensich wol schwerlich immer entfernen lassen. Ist er entstanden, so läßt er sich beischwächer» Individuen, Weibern u. Kindern, dadurch unterdrücken, daß der Manneinen heftigem entgegensetzt; der Zorn kräftiger Individuen kann nur durch Nach-giebigkeit gemäßigt werden. Die Übeln Wirkungen des Zorns lassen sich oft durchberuhigende und kühlende Mittel verhüten oder mindern.

Zorndorf (Schlacht bei), die blutigste und eine der merkwürdigsten! des Siebenjährigen Kriegs (s. d ), d. 25. Aug. 1758. Das russ. Heer, dasi im Anfänge 1758 unter dem Gen. Fermor, der an die Stelle des Grafen Apraxingekommen war, das entblößte Königreich Preußen besetzt hatte, rückte im Aug. ge-gen Pommern und die Neumark vor, verheerte das Land und begann den Angriffvon Küstrin. Die Stadt wurde in Asche gelegt, die Festung aber widerstand, da derpreuß. Feldherr, Graf v. Dohna, obgleich zu schwach, dem zahlreichen Heere derRussen sich entgegenzustellen, doch Mittel gefunden hatte, die Besatzung zu unter-stützen, und jene ihre Aufmerksamkeit auf den König richten mußten, der mit 14,000M. seiner besten Truppen in Eilmärschen aus Schlesien heranzog. Friedrich ver-einigte sich am 21. Aug. bei Küstrin mit dem Grafen v. Dohna, ging auf einer

vom Feinde nicht beachteten Stelle über die Oder und suchte den Gen. Fermor inden Rücken zu fassen. Jener hob die Belagerung sog'eich auf und zog den Gen.Braun an sich. Der König, dessen schwächere Streitkräfte in Sachsen durch dieReichsarmee und in Schlesien durch Daun gedrängt wurden, durste keine Zeit ver-lieren, um sich hier von den grausamsten Gegnern zu befreien. Er rückte bis Zorn-dorf vor, wo die Russen, 50,000 M. stark, wie sie cs in ihren Türkenkriegen zuthun pflegten, ein großes Viereck bildeten, in dessen Mitte Reiterei, Gepäck und Re-servecorps aufgestellt waren. Ihre Front und rechte Flanke war schwer anzugreiftn.Der König, nur 30,000 M. stark, beschloß daher mit s. linken Flügel den feindli-chen rechten zu umfassen, dann gegen den Rücken der Russen zu wirken und sie zuvernichten. Das preuß. Geschützfeuer wirkte äußerst verheerend gegen das russ.Quarre, aber auf dem vordringenden linken Flügel der Preußen gingen große Feh-ler vor. Er gerieth in Unordnung und wurde von der russ. Reiterei zurückgeworfen.Fermor, schon voll Siegeshoffnung, öffnete nun s. Viereck, um den Vortheil zu be-nutzen. Hier war es, wo Seydlitz, der Held dieses Tages, mit der Reiterei dieSchlacht, die in ein regelloses Gemetzel sich aufzulösen ansing, entschied. Der größteTheil des Schlachtfeldes war bald von den Russen verlassen; aber da ihnen der Rück-zug versperrt, da alle Brücken hinter ihnen abgebrochen waren, sammelten sie sich