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12 (1830) W bis Z
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516
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516 Zigeuner

junge Zigeuner, sobald er will, gewöhnlich in seinem 14.— 15. Jahre. In Ungar,lassen sie sich wol trauen, aber von einem Zigeuner, der die Stelle des Priester-vertritt. Kein Zigeuner heirathet eine andre als eine echte Zigeunerin. Wird er ih-rer überdrüßig, so jagt er sie ohne Umstände fort. An Erziehung ist unter diesemrohen Volke nicht zu denken. Eine allgemeine, fast thierische Liebe zu ihren Ka-dern macht, daß sie dieselben nie strafen, sondern daß diese von Jugend auf disMüßigganges, des Stchlens und der Betrügereien gewohnt werden. Das Sitte«-verderbniß ist unter diesem Volke so groß, daß sie eine wahre Freude an Grausam-keiten finden; daher ältere schlechte Regierungen sich ihrer als Nachrichter bedien-ten. Dabei sind sie höchst feige und stehlen nur da, wo sie es mit Sicherheit könne,.Sie brechen nie zur Nacht in die Häuser. Als in Spanien die Pest in einer Stadiherrschte, sah man die Zigeuner in ganzen Horden einbrechen, um die wehrlose,Einwohner zu plündern. Dabei kann man ihnen aber keinrsweges Fähigkeiten ah-sprechen. Sie sind nicht allein äußerst schlau bei ihren Unternehmungen, sonder,in Siebenbürgen verrichten sie die Goldwäsche mit vieler Geschicklichkeit. Wege,ihrer natürlichen Feigheit sind sie, in Spanien wenigstens, nie zum Soldatendünftgenommen worden. In Ungarn hingegen und in Siebenbürgen hat man sie bis-weilen im Kriege gebraucht, aber ohne besondere Beweise ihrer Tapferkeit zu erfah-ren. — Lange und oft hat man schon an die Verbannung dieses Volks aus Eu-ropa gedacht. In Frankreich und Spanien, in Italien und Deutschland wurdi,schon im 16. Jahrh. Gesetze gegen die Duldung derselben gegeben. Doch halst,selbst die Verfolgungen nur auf kurze Zeit. In die südlichen Gegenden schlichen ftsich immer bald wieder ein. Da sie in den östr. Staaten sehr zahlreich sind, dorlauch eine Art von Verfassung haben, indem sie von Oberzigeunern oder Woiwodmgewissermaßen regiert werden, so dachte die große Maria Theresia zuerst daran, ftzu Menschen und Bürgern umzuschaffen. Sie gab 1768 eine Verordnung, daßfortan die Zigeuner feste Wohnsitze wählen, sich zu Gewerben entschließen, ihnKinder kleiden und in die Schule schicken sollten. Viele ihrer ekelhaften Gebräuchewurden untersagt, und selbst befohlen, daß man sie nicht mehr Zigeuner, sondernNeubauern nennen sollte. Da diese Verordnung ohne Erfolg blieb, so griff man1773 zu so strengen Maßregeln, daß man den Ältern ihre Kinder nahm und ftauf christliche Weise erziehen ließ. Allein hierdurch wurde der an sich löbliche Zweckebenso wenig erreicht als durch die milden Verfügungen der russischen Regierung.Doch sind Josephs H. weise Verordnungen (seit 1782) zur sittlichen und bürgerli-chen Verbesserung der Zigeuner in Ungarn, in Siebenbürgen und im Banate nichtganz ohne Erfolg geblieben.

Was ihre Sprache betrifft, so sind die meisten Wörter indischen Ursprungs;theils kommen sie mit wenigen Veränderungen im Sanskrit, im Malabarischen und .Bengalischen vor, theils haben sie allerdings seit den 4 Jahrhunderten, da sie sich 'in Europa aufhalten, manche Wörter von den Völkern angenommen, unter dem»sie leben. Auch der engl. Bischof Heber zu Calcutta sagt in s. „Narrative ok»journoz- tlirouAÜ tlie upper prvvinevs vklmlia ote." (London 1828, 2Bde.)-er habe an den Ufern des Ganges ein Lager von Zigeunern, die das Hindostanischeals ihre Muttersprache redeten, angetroffen; dasselbe Volk hatte Heber auch in -Persien und Rußland gefunden. Auch ihre Grammatik ist ganz morgen ländisch u,d 1stimmt mit den indischen Dialekten sehr überein. Diese Ähnlichkeit kann nicht fürWerk des Zufalls gelten, zumal da auch Körperbildung und Sitten gleichfalls aufden hindostanischen Ursprung schließen lassen. Man hat noch genauer den letztemdadurch erläutern wollen, daß man sie von einer eignen Kaste der Hindus ableitete.Nur kann dies nicht die in Hindostan geehrte Kaste der Suddcr, d. h. der Hand-werker und Ackerbauer, sein, sondern man muß auf die Parias schließen, die vanallen Hindus verachtet werden, weil sie im äußersten Schmutz leben und das Fleisch