Zigeuner
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M 00k) leben. Noch häufiger trifft man fie kn Bessarabien, der Krim, um Kon-stantinopel und in der ganzen Türkei. Man kennt ihr äußeres Ansehen: die gelb-braune oder Olivenfarbe ihrer Haut, die Kohlenschwärze ihrer Haare und ihrerAugen, die blendende Weiße ihrer Zähne, weßwegen manche ihrer Mädchen, vor-züglich in Spanien, für große Schönheiten gehalten werden. Dazu kommt dasEbenmaß ihrer Glieder, welches selbst den Männern nicht fehlt, die übrigens einzurückschreckcndeS, scheues Ansehen haben. Der Zigeuner ist schlank und gewandt,selten von hohem oder starkem Wuchs; seine Physiognomie zeigt Leichtsinn undEcmüthlichkeit. Sie haben selten feste Wvhnplätze. Wo eS das Klima erlaubt(und sie ziehen deßwegen die südlichen Länder vor), sind sie hordenweise in Wäldernund Einöden anzutreffen. Selten führen sie Zelte mit sich, sondern gegen die Win-terkälte schützen sie sich durch den Aufenthalt in Höhlen und Grotten, oder sie bauensich Erdhütten, die einige Fuß in die Erde gegraben und obcnher mit Rasen, aufSparren gelegt, bedeckt sind. In Spanien, und selbst in Ungarn und Sieben-bürgen, gibt es dennoch mehre, die Gewerbe treiben. Sie sind Gastwirthe, Pfer-deärzte, Noßhändler, Schmiede, bessern alte Kessel und Pfannen aus, verfertigenEisenwaaren, Nägel u. dgl. Einige arbeiten auch in Holz Löffel, Spindeln, Trö-ge, oder sie helfen dem Landmann auf dem Felde. Man rühmt ihre musikalischeAnlage. Sie beschränkt sich aber auf Instrumentalmusik, die sie meist nach demGehörtreiben. Sie spielen die Violine, die Maultrommel, blasen Waldhorn,Flöte, Oboe. Ihre Tanzmusik ist froh und gefühlvoll, daher bei den BalkenIn Klausenburg gewöhnlich eine Bande Zigeuner spielt; auch bei den ungarischenund polnischen Nationaltänzcn gibt es keine bessern Spielleute. Bei ihren Nativ-'imranzen und überhaupt ist ihre Mimik sprechend. — Die kn Deutschland sonstcherumziehcnden Zigeuner verübten meistens Gaunereien, indem die Weiber wahr-sagten, die Karte schlugen, die Männer aber ihre sogen, „starken Mannskünsie"(als Luftspringcr, Seiltänzer rc.) trieben. 1801 entdeckte man in der Mark eineZigmnerbande, die sich das hohe Corps zum heil. Kreuz nannte, einen König hatteund Reichstage hielt. Ihre Weiber sind in jüngern Jahren, besonders in Spa-nien, Tänzerinnen. Sobald sie etwas älter werden, treiben sie durchgehends Wabr-sagerei und Chiromantie. Dies Gewerbe ist ihnen durch die ganze Welt eigen undeine Hauptquclle ihres Erwerbes. Die Kinder gehen bis ins 10. Jahr vollkommennackt. Erwachsene haben nur Hemd und Hose, oder Rock und Schürze, roth oder('hellblau, keine Fuß - oder Kopfbedeckung. Bei den ansässigen Zigeunern aber ist- viel Kleidersucht wahrzunehmen. Zu ihrem Hausgeräkhe gehört nothwendig, außerTopf, Schüssel, Kessel, Pfanne, noch ein silberner Becher; zu ihrem Viebstandeein Pferd und ein Schwein. Ihre Nahrung ist ekelhast. Unter den Gemüsen lie-ben sie Zwiebeln und Knoblauch, ganz nach morgenländischer Sitte. Sonst aber(Ist alles Fleisch ihnen willkommen, selbst das von verreckten Thieren; daher eineViehseuche für sie das willkommenste Ereigniß ist. In Ungarn wurden sie vor eini-gen und 30 Jahren beschuldigt, mehre Menschen geschlachtet und gegessen zu ha-ben. Auch wurde dies Verbrechen mit der größten Strenge an ihnen bestraft; den-noch bleibt ihre wirkliche Schuld unerwiesen. Unter den Getränken ziehen sie denBranntwein allen übrigen vor. Taback ist ihre größte Leckerei. Sie kauen und rau-chen ihn, sowol Mann als Weib, mit solcher Begierde, daß sie Alles hingeben, umdiese Liebhaberei zu befriedigen. Eine eigentliche Religion haben sie nicht. Unter denTürken sind sie Mohammedaner, und in Spanien wenigstens, sowie in Sieben-bürgen, nehmen sie christliche Gebräuche an, aber ohne sich um Unterricht oder umBegriffe von geistlichen Dingen zu bekümmern. In Siebenbürgen lassen sie ihreKinder oft mehrmals an verschiedenen Orten taufen, um desto mehr Pathengeldzu bekommen. Die Ehen werden auf die roheste Weise geschlossen. Unbekümmertdarum, ob das Mädchen seine Schwester oder eine Fremde ist, heirathet sie der
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