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12 (1830) W bis Z
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Zeichnungskunst, Zeichnungsschulen

brat Das zu zeichnen, was im Original darin steht. Soll es ganz in derselbenGröße sein, so zeichnet man oft den Umriß durch einen ausgcspannten schwarzenFlor, von welchem man ihn hernach ab^rückt; dies gibt zwar keine bestimmte Form,aber es deutet genau die Plätze an, wo jede Partie hinkommen muß, und erspartdadurch dem Künstler viel Zeit. Will man die scharf bestimmte Form aber nach-zeichnen, so muß man eine Calque machen, d. h. man nimmt mit Firniß ge-tränktes, ganz durchsichtiges Papier, und legt es auf das Gemälde; der Umrißwird nun mit einem feinen Stift umschrieben, dann auf der andern Seite des Pa-k pieres mit geschabter Kreide bestrichen und nun abgebrückt, indem man den Umrißmit dem Stifte nochmals übergeht; dies nennt man calkiren.

Die Handzeichnungen großer Meister werden sehr geschätzt, da sich in ihnendas erste Feuer, womit sic eine Idee fassen, am deutlichsten und genialsten ausspricht.Es wird ebendaher, weil hier Alles auf die flüchtige Leichtigkeit ankommt, womitdie Idee ausgesprochen ist, weit schwerer, eine täuschend ähnliche Copie von einerHandzeichnung zu machen, als von einem ausgeführtcn Gemälde. Die großen Ma-hlschulen unterscheiden sich ebenso sehr in derZeichnung als in der Malerei, und ein, geübtes Auge wird die Meister ebenso leicht in ihren Zeichnungen unterscheiden kvn-i nen wie in ihren Gemälden. Der Styl der Zeichnung ist bei der ganz altitalienischenSchule ebenso hart, trocken und mager, wie bei der altdeutschen, nur daß dort edlereund schönere Formen durchblicken und richtigere Verhältnisse, bei der altdeutschenoft aber noch bedeutungsvollerer Tiefsinn, der sich mehr zur Poesie als zur bildenden' Kunst hinneigt. Später wurde in Italien die römische Schule, durch Rafael's rei-nen Sinn für schöne und charaktervolle Formen und durch sein Studium der Antike,^ die echte Lehrerin und Bewahrerin schöner Zeichnung; die florentin. Schule wolltesie gerade hierin übertreffen und verlor durch Übertreibung, was sie an Gelehrsamkeitund streng anatomischem Studium wol voraus gehabt hätte. Die Meister dieserSchule wählen oft kühn verkürzte Stellungen, nur um ihre Muskelkenntniß zu zei-gen. Bei den Römern ist jeder Pinsclstrich zugleich gemalt und gezeichnet. Die Flo-rentiner brauchen den Pinsel bisweilen, als ob er nur ein trockener Zeichenstift wäre.In der lombardischen Schule schimmert zartcmpfundene Zeichnung durch den zau-berischen Farbenschmclz, doch ist sie mehr der Natur und dem Gefühl abgelauscht alsnach streng wissenschaftlichen Regeln gebildet. Bei der vcnetianischen Schule ver-schwimmt die Zeichnung oft in der Fülle der Farbenglut, und wenn sie bei einigenMeistern kühn und kräftig hervortritt, so sind es mehr die Formen gemeiner Natu-ren ohne tiefem Sinn, ohne Adel und Würde, nur imponirend durch ihre keckeWahrheit und üppige Fülle. Die Venetianer sind die Italien. Niederländer, dennan dieser und ihrer Schule bemerkt man gleiche Vorzüge, nur mit noch weit unedle-rer Gemeinheit gepaart. Die franz. Schule war zu Poussin's Zeiten sehr corrcct inder Zeichnung, und mit Recht nannte man diesen Meister den franz. Rafael; spä-ter wurde der Styl äußerst manierirt; erst David führte richtige und reine Zeichnungund strenges Studium der Antike wieder ein; durch letzteres sowie durch sehr festeZeichnung unterscheidet sich die neuere franz. Schule. Die jetzt lebenden deutschenMeister haben zwar verschiedenen Styl, um so mehr aber ist er aus eignem Gemüthund eignem Studium der Natur und der großen Meister entsprossen, und diese Ei-genthümlichkeit gerade sehr löblich; möchte nur nicht eine so große Anzahl deutscherKunstjünger durch die blinde Verehrung der altdeutschen Schule vom rechten Wegeverlockt werden! Die Zeichnung in der Malerei bestimmt stets den Geist einesKunstwerks, während die Farbengebung mehr den Körper und Ausdruck desselbenbildet, und die letzte Ausführung (retouelle) die Seele hineinhaucht. S. ,Mouu-mena lies arts <iu ikessin elier les peuplss taut »noieus gue moäerue^ reeueil-lis par IvLar. Vivant Veuvu, p. serv. ä I'iiist. lies arts, Utlioxrapliies 80 U 8 8v8)'<nix, <ievrit8 et expligues pur Amaur/ vuval" (Paris 1829,4 Bde., Fol)

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