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Würzburg (Stadt — Universität)
Sleiu- und Lcistcnwein, wachsen nur in der Nähe der Hauptstadt und bringen be-deutende Summen ins Land, das nicht reich an Mineralien ist und wenig Manufac-turen und Fabriken hat. — Die befestigte Hptst. Würzburg (1930 H., 22,000E. — richtiger Wirzburg vom slaw. Dwierza, die Burg) hat eine angenehme, dochctivas versteckte Lage an beiden Ufern des Mains, über welchen eine 540 Fuß langesteinerne Brücke von 8 Vogen, mit Statuen von Heiligen besetzt, führt. Unter denöffentlichen Gebunden zeichnet sich das große und schöne, 1720 neu erbaute, ehemal.Residenzschloß, eins der schönsten Fürstenschlösser, mit einem schönen Garten ans(gegenwärtig bewohnt cs gewöhnlich die verwitwete Königin; vorher bewohnte esder jetzige König als Kronprinz); nächst ihm das große, reiche und trefflich eingerich-tete Juliushospital, welches ein Enlbindungshaus, einen botanischen Garten, ana-tomischen Saal und verschiedene Sammlungen hat. Unter den vielen Kirchen sindbcmerkcnswcrlh: die große Domkirche, deren erster Stifter Bischof Burkhard im8. Jahrh. gewesen sein soll, die aber seit 1042 von Grund aus wieder aufgebautwurde, mit ihren Grabmalcrn und der Schönborn'schen Capelle; das geschmackvollerbaute neue Münster mit den Überbleibseln des heil. Kilian, des Frankenapostcls;die prächtige vormalige Stifts - und Hauger Pfarrkirche mit ihrer hohen Kuppel;die Universitätskirche mit einer Sternwarte auf dem majestätischen Thurme ic.Überhaupt findet man hier viele ansehnliche Hauser; zunächst dem Schießplätzesind die Straßen, welche alle des Nachts durch Laternen erleuchtet werden, breitund regelmäßig, die meisten andern sind schmal und krumm. Noch bemerken wirdie Gesellschaft zur Vervollkommnung der Künste und Gewerbe, mit einer Zcich-mingsschule für junge Handwerker; die Frauengesellschaft zur Unterstützung weib-licher Kunstfertigkeiten; das Gymnasium; die Centralindustrieschule; dieHebam-nnnschule; die Schwimmschulc; die Blindenanstalt; mehre Scminarien; dasorthopädische Carolineninstitut; die Thierarzneischule u. a. m. Würzburgs Fabri-ken liefern Wollenzeuch und Tuch, Spiegel, Leder, Taback, Glaubersalz und Far-ben, doch sind sie nicht sehr erheblich. Auch unterhält die Stadt Mainschifffahrtund Handel, besonders mit Wein. Außerhalb, auf dem linken User des Mains,liegt an einem 400 F. hohen Berge die Citadclle Marienberg. An einem Abhangedieses Berges, die Leiste genannt, wächst der Leistenwein, und aus dem eben-falls unweit der Stadt liegenden Steinberge der St ein wein. Auch bcr Marktfl.Randersacker am Main hat guten Weinbau. Überhaupt umgeben auf 7000Morgen Weinberge die Stadt. In dem benachbarten ehemaligen Cistcrcienscrklo-stcr Zell befindet sich die Buchdruckermaschinenfabrik der Herren König und Bauer.
Würzburg (Universität). Es war Joh. v. Eglofstein, der 55. Bischofvon Würzburg, welcher zuerst den Versuch machte, in der alten Hauptstadt derHerzoge v. Franken nach dem Muster von Bologna eine Universität zu gründen.Die Vorlesungen begannen 1403. Allein die damalige Stiftung überlebte ihrenUrheber nicht. Die Kriegsstürme, welche in den Zeiten seines Nachfolgers überdas Land kamen, rissen die noch nicht festgewurzelte Pflanze wieder aus. Erst 1582wurde die Wiederherstellung oder vielmehr die neue Gründung von dem Fürstbi-schof Julius, aus dem Geschlechts der Echter v.Mcspelbrunn, auf festerer Grund-lage vollbracht, und darum wird dieser Julius mit Recht als der eigentliche Stif-ter der zu Würzburg blühenden Hochschule gerühmt, und letztere nach ihm Juliagenannt. Die reichliche Dotation derselben, sowie des gleichfalls von ihm gestifte-ten Hospitals nahm Julius aus den Gütern und Einkünften der im Bauern- undbrandcnburger Kriege verwüsteten und verlassenen Klöster. Schon in der Absichtdes gemeinsamen Stifters hatte cs gelegen, das Hospital zum Zwecke des medicini-schen Studiums mit der Universität in Verbindung zu setzen, und diese Verbindung,sowie die Wirksamkeit tüchtiger Lehrer, welche zugleich Hospitalarzte waren, er-hielten zu allen Zeiten eine besondere Celebrität der medicin. Lehranstalt, die zur