398 Wünschelruthe Würfel
dem Wunderbaren leicht in das Abenteuerliche verfallt. — Unter verschiedenemCharakter stellt sich das Wunderbare, welches mit dem Volksglauben verwandt iß,bei den verschiedenen Völkern und zu verschiedenen Zeiten der Kunst dar. Das My-thische der Griechemvelt hat einen heitern Charakter und erscheint als fröhlich,-,sinnreiches Bilderspiel der Phantasie; das Mystische in der romantischen und neuen,Zeit überhaupt hat einen ernster» Charakter und ist oft aus dem trüben, gestaltlosenReiche der Ahnungen von der Unterwelt geschöpft. I.
Wünschelruthe (lat. virgn!» meroui iali«) ist eine unter gewissen abergläubischen Umstanden verfertigte, entweder einfach bogenförmig gekrümmte oda,auch zweiästige, in einem Stiel verbundene Ruthe, wie eine Gabel geformt, re»Holz, Mcsstngdraht oder Metall, welche von abergläubischen Menschen angeW-det wird, um da, wohin sich diese auf eine eigenthämliche Weise mit den Fingen,gehaltene Ruthe vorzüglich neigt, verborgene Schatze unter der Erde zu entdecken.Besonders wird sie im Bergbau gebraucht, um edle Metalle, Mineralien oder unter-irdische Wasser und Eczgänge damit ausfindig zu machen. Wie häufig dieser Aber-glaube von Betrügern ist benutzt worden, bedarf hier keiner Ausführung. Auchwürde diese Anwendung der sogen. Wünschelruthe vielleicht nur noch als Denkmelehemaligen Aberglaubens genannt werden, wenn nicht vor einigen Jahren ein Ita-liener, Namens Campetti (ein junger Landmann, zu Gargnano am Ufer des Garda-sees geboren), durch die ernstliche Versicherung, Metalle und Wasser unter beiErde, mittelst körperlicher Empfindungen, wahrnehmen zu können, großes Auf-sehen gemacht hätte, indem die von ihm angestellten Versuche allerdings sehrfmdiese Behauptung zeugten. Der Naturforscher Ritter zu München reiste auf Be-fehl des Königs von Baiem 1806 zu Campetti nach Gargnano, brachte ihn mitnach München, um wiederholte Versuche anzustcllen; diese wurden besonders mitSchwefelkiespendcln gemacht, von denen man behauptet, daß sie in der Nahe vonMetallen schwingen. Ritter hat vornehmlich bei dieser Gelegenheit sich eines In-struments bedient, das er Balancier genannt hat, und das ganz einfach in einemStabe oder kleinen Streifen von Kupfer oder anderm Metalle, ungefähr 6 Zelllang und einen halben breit, besteht. Die nähern Nachrichten findet man inAretin's „Neuem liter. Anzeiger" (1807), von Nr. 22 an; auch hat Gilbert an-ziehende Beleuchtungen dieser Versuche 1808 hcrausgegeben. (Vgl. Rhab-domantie.)
Würde ist der innere Werth eines Gegenstandes, welcher darauf beruht,daß er seinen Zweck in sich selbst hat. Vorzugsweise kommt daher die Würde derPerson zu, denn sie ist ein Wesen, welches Zwecke erkennt, sich selbst setzt unddanach seine Handlungen bestimmt. Daß ein Gegenstand aber seinen Zweck in sichselbst hat, hindert ihn nicht, auch Zwecke nach Außen zu erfüllen, d.i. nützlich zusein; nur ist diese Beziehung der erstem untergeordnet.
Wurf, s. Ballistik.
Würfel oder Cubus ist ein von 6 gleichen Quadratflachen begrenztrrKörper, der 12 Kanten und 8 Ecken hat, von denen jede der andern gleich iß.Er gehört daher zu den regulairen Körpern, und zwar ist er der einzige regulaire,welcher von 6 Flachen begrenzt wird. Sein körperlicher Inhalt ist, wie man sichleicht überzeugen kann, wenn man sich jede Seite des Würfels in lauter gleichtTheile zerlegt denkt, gleich einem Product aus der Zahl der Theile einer Seite (derHöhe) in die Zahl einer Quadratflache tder Grundfläche), und diese Flache selbstwieder gleich einem Producte aus einer Seite (Höhe) der Quadratfläche in die andre(Grundlinie). Weil nun diese Seiten alle einander gleich sind, so wird der Inhaltdes Würfels durch dreimalige Multiplication derZahl der Theile einer Seite mit sichselbst erhalten. Ist z. B. eine Seite gleich 10, so ist der körperliche Inhalt gleich10 X10X10^--1000- Daher wird auch jedes Product, das durch dreimalige