7
Wachsen
Wasser dagegen ist der Pflanze verwandter als dem Thier und zugleich Nahrungs-stoff für die Pflanze; und so bewährt sich auch von dieser Seite das in der ganzenorganischen Welt herrschende Gesetz, daß da« Thierische das Beschrankende für dasPflanzliche, mithin für das Wachsthum ist. Unter den Vögeln sind die straußar-tigen die größten, also gerade Diejenigen, welche von jener Abhängigkeit der flie-genden Vögel von der Atmosphäre freier geworden sind, indem sie sich in ihrer Or-ganisation und Lebensart den Säugelhieren annähern. — Wenn also, nach Obi-gem, das Wachsthum Attribut der Pflanzennatur, d. h. eigenthümliche oder we-sentliche Function der Pflanze ist, so folgt, daß das Wachsthum der Pflanzen nurin ihrem Tode oder todähnlichen Winterschlafe aufhört, da das Leben derselben sicheben nur im Wachsen, d. h. im Erzeugen pflanzlicher Masse, äußert. Glcichwolist auch bei der Pflanze eine Beschränkung des Wachsthums bemerkbar, und dieseBeschränkung kommt von der Blüthe, bis zu welcher das Wachsthum die Richtungnach Außen hat, indem sich die Pflanze vor der Blüthezcit im Stängel in die Längeausdehnt, und im treibenden Laube nach allen Seiten ausbreitet. Zn der Blütheist das Wachsthum beschränkt, in ihr hat sich die Pflanze in einen engen Raum zu-sammengezogen; nach der Blüthe dauert zwar das Wachsthum noch fort, aber ineiner entgegengesetzten Richtung: die Pflanze wächst gleichsam in sich selbst zurück,concentrirt ihre Säfte in der sich bildenden Frucht, und wird im Samen (der, wiedie Blüthe und Frucht, die ganze Pflanze in sich darstellt) auf den kleinsten Raumzurückgefühlt. Zn der Blüthe hat sich aber die Pflanze zur thierischen Natur hin-aufgesteigert ; denn die Begattung ist eigentlich eine thierische Function, und in ihrhat es die Pflanze zu einer Art willkürlicher Bewegung (nämlich des Staubfadensgegen den Griffel) gebracht. Also wird selbst in den Pflanzen das Wachsthum durchdas Thierische, durch das in ihr vorgebildete Thier beschränkt, wodurch die Allge-meinheit dieses Naturgesetzes noch mehr bestätigt wird. — Zu den äußern Bedin-gungen des Wachsthums gehört vorzüglich die Wärme, und es ist allgemein bekannt,daß warmes Wetter die Vegetation, d. h. das Wachsthum der Pflanzen, befördert,Kälte dagegen zurückhält. Dies ist auch sehr begreiflich, sobald man bedenkt, daßdie Wärme das Princip (die Ursache) der Flüssigkeit ist, daß sie, wie alle Körper,so auch die flüssigen Dinge ausdehnt (verdünnt) und dadurch die zum Wachsthumnothwendige ungehinderte Bewegung der Säfte bedingt. Auch das Wachsthumder Thiere und Menschen wird durch Kälte gehemmt, was man z. B. an der klei-nen Statur der nördlichen Völker wahrnimmt. Denn die Thiere ersetzen zwardurch eigenthümliche innere Wärme den Mangel der äußern, und das Vermögendes thierischen Organismus, Wärme zu erzeugen, steigert sich in gleichem Verhält-nisse mit der Kälte der Klimate. Da es aber eben die pflanzlich-thierischen Organesind, welche die innere Wärme Hervorbringen, so werden durch die Anstrengungdieser Organe im Kampfe gegen die äußere Kälte die zum Wachsthume wesentlichnothwcndigen Proccssc aufgehalten. Die andern Bedingungen für das Wachs-thum der Pflanzen sind einerseits Feuchtigkeit, andrerseits die gute Beschaffen-heit des Bodens oder Erdreichs, worin sie wurzeln. Diese letzter» Bedingungenlassen sich aber auf eine zurückführen, nämlich auf das Dasein genügsamen und derbesondern Natur der Pflanzengaktungen entsprechenden Nahrungsstoffes, der so-wvl in den verschiedenen Arten des Düngers enthalten ist, als auch im Wasserselbst besteht, welches keineswegs bloß Vehikel (Träger) des Nahrungsstoffes ist,da man weiß, daß Pflanzen, mit der Wurzel in bloßes Wasser gestellt, sich voll-ständig entwickeln können. Das Licht hingegen scheint keine unmittelbare Bedin-gung des Wachsthums zu sein, da die Pflanzen auch an dunkeln Orten, z, B. inKellern, gut wachsen , wo sie indeß der eigen thümlichen Farben ermangeln, auchwol nicht zur gehörigen Entwickelung der Säfte sowol als der festen Lheile gelan-gen können. Das Licht bestimmt also nicht sowcl das Wachslhum selbst, als die