Druckschrift 
12 (1830) W bis Z
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

5

Wachsen

rönnen« Wachs in einen Trog mit Wasser laufen, sodaß es durch blecherne Durch-schläge auf eine Walze fällt, die immer gedreht wird, wodurch es Bandform erhält.Das gebänderte Wachs wird auf einem Viereck von Holz, welches man mit einemPlan von Leinwand überspannt, 46 Wochen lang gebleicht, nochmals geschmol-zen, gebändert und gebleicht, endlich als Handelswaare in Formen gegossen oderzu Kerzen verarbeitet. k«.

Wachsen. Man versteht unter Wachsthum die allmälige Vergröße-rung der organischen Körper vermöge eines von Innen nach Außen wirkenden Trie-bes, durch welchen die räumliche Sphäre (die Ausdehnung, Größe) eines organi-schen Körpers, in einer mehr oder weniger bestimmten Zeit, bis zu einer gewissenGrenze erweitert wird. Das Wachsen der organischen Körper ist bedingt durct,Anziehung und Aufnahme des Nahrungsstoffes von Außen, welchen der organischeKörper aus innerer, eigenthümlicher Kraft sich aneignet ober assimilirt, d. h. indie seiner Natur entsprechende organische Masse verwandelt; und eben in dieserAssimilation und Vermehrung der assimilirten Masse besteht das Wachsen oderWachsihum. Die Aufnahme des Nahrungsstoffes von Außen nennt man im All-gemeinen sich nähren, im Besondcrn, bei Pflanzen, einsaugen, bei Thieren be-kanntlich fressen, saufen, bei Menschen essen, trinken, nur beim Mineral, inso-fern cs sich im Wasser krystallinisch bildet und bildend wächst, hat man für dieseAufnahme noch keine besondere Benennung. Denn allerdings kann man auch vondem entstehenden Krystalle sagen, daß er sich nährt, indem z. B. der Salzkrystallnur in einer Salzauflösung entstehen und sich vergrößern kann, und bei dieser Ent-stehung werden ja die Salztheile nicht von Außen durch äußere Kräfte zusammen-gelrieben (wovon man sich schwerlich eine vernünftige Vorstellung machen kann),sondern auch der Krystall, als ein organischer Körper der niedersten Stufe, wächstverniöge eines innern bildendes Triebes und zieht aus eigner Kraft den dazu-thigen Stoff (Nahrungsstoff) von Außen an sich, um ihn zum Bau seiner cigen-thümlichen Form zu verwenden. Nun steht aber dem Vorgänge der Einsaugungbei allen organischen Wesen der Proceß (Vorgang) der Ausscheidung gegenüber,welche nichts Andres als eine thcilweisc Auflösung der organischen Masse durchdie umgebenden Elemente ist. Diese Auflösung ist also der Proceß, wodurch dieElemente sich von den organischen Dingen nähren; denn wenn diese nur dadurchsortbcstehen können, daß sie unaufhörlich Nahrungsstoff an sich reißen und ihn inihre Substanz verwandeln, so können auch die Elemente auf keine andre Weisefortbkstehen, als daß sie die verlorenen Bestandtheile wieder ersetzen, welche sie inder Wechselwirkung (im Kampfe) mit den organischen Dingen, und mit einanderselbst, diesen und sich selbst gegenseitig entrissen. Wie bald müpte z. B. die atmo-sphärische Luft durch das Athmen unzähliger Thiere und Pflanzen, und so auchdurch die Unterhaltung des Feuers an unzähligen Punkten der Erdoberfläche, wo-durch ihr das Sauerstoffgas entrissen wird, zersetzt und entmischt, mithin zum fer-nem Athmen und Verbrennen ganz untauglich werden, wenn sic nicht durch ihreThätigkcit die organischen Wesen (namentlich die Pflanzen) und die übrigen Ele-mente fortwährend zur Ausscheidung des Sauerstoffs reizte, und so den fortwähren-den Verlust auch fortwährend wieder ersetzte. So ist Alles in gegenseitigem Nährenund Ausscheiden, Wachsen und Abnehmen, Ausgeben und Einnehmen des Nah-rungsstoffes begriffen, und das Fortbestehen, die Erhaltung aller Dinge ist durchdiesen Wechselkampf bedingt. (Vgl. Natur.) Aber Wachsthum im engemSinne erkennt man nur an, wo durch Proteste der Einsaugung, Verdauung undErnährung die Vergrößerung des organischen Körpers bewirkt wird. Eine Ver-größerung kann aber nur erfolgen, so lange mehr Nahrungssioff auf- oder einge-nommen und assimilirt, als ausgegeben (verloren oder ausgeschieden) wird. Wäh-rend des WachsthumS eines Dinges, §. B. eines Thims, wüsten also die oben