Druckschrift 
12 (1830) W bis Z
Entstehung
Seite
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Der Zweck eines solchen Wörterbuches kann auf keinen Fall dersein, vollständige Kenntnisse zu gewahren; es wird vielmehr dieses Werk welches eine Art von Schlüssel sein soll, um sich den Eingang ingebildete Cirkel und in den Sinn guter Schriftsteller zu öffnen ausdem weitschl'chtigen Gebiete der Geographie, Geschichte, Mythologie,Philosophie, Naturlehre, der schönen Künste und andern Wissenschaftenbloß diejenigen Kenntnisse enthalten, welche ein Jeder als gebildeterMensch haben muß, wenn er an einer guten Conversation Theil nehmenund ein Buch lesen will, wiefern gewisse wissenschaftliche Begriffe unterden Begriffen des gemeinen Lebens das Bürgerrecht erlangt haben".

Kaum hatte aber I). Löbel die Ausführung unternommen undeinige Bande der ersten Auflage dem Drucke übergeben, als ihn derTod übereilte, und die Fortsetzung in weniger geübte Hände kam. Über-dies wirkte sehr nachtheilig auf das Ganze, daß dem damaligen Ver-leger hinlängliche Geldkräfte fehlten, um die Vollendung zu beschleuni-gen. Es waren daher nach 11 Jahren, als das Werk im Jahre 1807durch Ankauf des Verlagsrechts in die Hände des Buchhändlers Fried-rich Arnold Brockhaus kam, erst 5 Bande, jeder 3640 Bogenstark, fertig. Der nunmehrige Eigcnthümer ließ es vor allen Dingenseine Sorge sein, die erste Auflage zu vollenden, was auch in 2 Jah-ren geschah, während welcher der sechste (und letzte) Band und 2 Sup-plemcntbande erschienen.

Wie unvollkommen unter so störenden Umständen das Conv.-Lex.auch in seiner ersten Gestalt erscheinen mußte, so bewies doch der Bei-fall, welchen ihm dessenungeachtet das Publicum schenkte, deutlich genug,daß das Bedürfnis« eines Hülssmittels, wie es hier dargeboten worden,vorhanden sei.

Im I. 1812 ward eine neue Ausgabe nöthig. Damit beginnt diegänzliche Umbildung und die höhere Bedeutung des Conversations-Leri-kons, dessen Seele und Lebenskraft der Herausgeber, F. A. Brock-haus, 11 Jahre lang, bis zu seinem Tode geblieben ist. Weil sichnämlich nicht sogleich ein Redactcur, wie ein Werk dieser Art ihn er-heischt, für die Leitung desselben finden wollte, so stellte sich der Ver-leger, seine Kraft und sein Urtheil dabei versuchend, selbst und allein andie Spitze der neuen Unternehmung. Ihm schwebte dabei die Idee vor,ein Werk zu liefern, das nicht für einzelne Personen der Gesellschaft,sondern für Alle und Jeden auf einer gewissen Stufe der Bildung pas-send und anziehend sein, das sich zwar allenthalben vom Gemeinen ent-fernen, aber sich auch ebenso sehr durch einfache, klare und zweckmäßigeBehandlung empfehlen sollte. Schon war unter seiner alleinigen Lei-tung der erste Band dieser zweiten Auflage erschienen, und der zweitebis zur Hälfte vollendet, als er Herrn I). Ludwig Hain zum Mit-redacteur annahm. Seit diesem Zeitpunkte haben Beide der Unterneh-mung bis zur Vollendung des ersten Drucks der fünften Auflage, imApril 1820, vereint vorgestanden.

So leicht es einzusehen war, daß die Grundsätze der ersten Nedac-tion unter dem I). Löbel, welche sich auf den Standpunkt des gemei-nen Lebens gestellt hatte, nicht mehr befolgt werden konnten, da dieAnsprüche desjenigen Publicums, für welches das Buch zunächst be-stimmt war, seit 1796 in einem hohen Grade sich gesteigert hatten: soschwer war die Aufgabe, nach welchen Grundsätzen die neue Redactionverfahren sollte, praktisch zu lösen. Die vorige Redaction hatte sich