Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

J99

hrrglschen zeigt« Er zog sich dann wieder nach Pohlen zu-rück, woselbst er, so wie in einigen Provinzen Rußlands, inder Moldau und Wallachei häufig auzutreffen ist.

9) Syphilis.

Die Syphilis oder venerische Krankheit ist eine neu ent-standeue Krankheitssorm europäischen Ursprungs, welche eiir-uil unter günstigen Verhältnissen in einer weit verbreitetenEpidemie halb Europa durchseuchte und sich an ihrem Aus-gangspunkt ein Coutaginm erzeugte, das originär und nureinmal gebildet, sich seitdem über die ganze Erde verbreitethat. Die Meinungen von der uralten Existenz der Krank-heit, vom amerikanischen Ursprünge, ferner die Ansicht, daßsich das Coutaginm noch jetzt immer neu erzeugen könne,müssen, als allen Beobachtungen und historischen Thatsachenwidersprechend, geradezu verworfen werden. Eben so weniggegründet ist die Vermuthung, die Krankheit sei schon früherin -Ostindien und auf den Südseeinseln einheimisch gewesen. ESscheint gewiß, daß sich die Syphilis neu in Europa gebildetund von einem Lande zum andern verbreitet hat. Man kann, so ziemlich Nachweisen, von welchem Volk? das andere dieKrankheit mitgetheilt erhielt, indem sich der Name darnachrichtet. Wie wir Deutsche die Syphilis »die Franzose n«,! die Engländer IHoncb-pox nennen, so nannten sie die Fran-zosen anfänglich xylll äe lXaple-;, die Portugiesen heißen sie

^ eastilianische Krankheit, die Holländer spanische Blatter, diePohlen die deutsche, die Russen die polnische Krankheit;die Chinesen nennen sie das Geschwür von Canton, die Per-ser die türkische Krankheit. Weniger ausgemacht ist eS^wo der epidemische Concentrations- und Ausgangspunkt ge-wesen sei. So viel scheint gewiß, daß die Krankheit vor ih-^ rem epidemischen Auftreten an mehreren Orten in Frankreich,Deutschland z. B. am Rhein und in Italien, wohl auch inSpanien sporadisch, aber natürlich in anderer Gestalt undnicht so ansgebildet, vorgekommcn ist, Ob sie in Barcelonaoder in Neapel zuerst epidemisch aufgetreten ist, kann nicht völligausgcmittelt werden. Diejenigen, welche der Meinung sind,