Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

73

und von der jetzigen Thicrvertheilung so Abweichende, daß meiner Gegend so nördliche und südliche Thiere zusammen Vor-kommen. So fand man in der Grotte von Vrengue Kno-chen vom Rhinozeros mit den Ucberresten eines Ncnnthicr's,welches unserem jetzigen außerordentlich ähnlich war, beisam-men, in dieselbe röthliche, lehmige Erde gehüllt und mit einergleichen Süitcrkruste überzogen, hier mußten also zwei Thierean einem -Orte zugleich gelebt haben, von welchen das einenur den höchsten Norden, nahe am Polareis, das andere nurdie heißeste Gegend der Erde bewohnt. Eben so sindcn sicham Mittclmecr, in derselben Brekzienmassc, Zahne vom Rhi-nozeros und von einem Löwen mit Gebeinen von Lagomys,deren Gattungsverwandte nur den Norden von Asien undAmerika bewohnen, und in den deutschen Höhlen liegen Hyä-nen- und Bielfraßreste beisammen.

Verbreitungsbezirk der vorsündfluthlichcnThicre.

In der Bertheilung jener Thiere der Diluvialepoche selbstwaltete manche Verschiedenheit ob. Einige hatten eine außer-ordentlich große Verbreitung, wie wir sie jetzt nicht mehr an-trcffen. So muß der Elephaut der Vorwelt, das russischeMammuth, den ganzen Norden der Erde bewohnt haben,denn im ganzen asiatischen Rußland, auf einer Linie von1000 Meilen, vom Don bis zum äußersten Vorgebirg vonKamtschadka, ist kein Strom, an dessen Ufern man nicht Stoß-zähne vom Mammuth gesammelt hätte.

Die Znseln des Eismeeres enthalten Zähne und Knochenzu tausenden; Pohlen, Nord- und Süddcutschland, England,Frankreich, Italien, Spanien (bei Madrid), die scandinavischeHalbinsel, ja wenn man die weniger sicheren Angaben, wo,nach den Aussagen der alten Schriftsteller, Nicscnknochen ge-funden worden sind, hicher rechnen darf, ZSland, Sizilien,Kreta, Kleinasien, Syrien und Tunis sind reichliche Fund-gruben. Bestimmter fand man Ucberrcste am kaspischenMeer, um Astrachan, ja sogar, dies; ist die südlichste Grenzeauf der alten Welt, welche man mit Zuverläßjgkeit anneh-