324
-Neulich entstand bei einem Testament ein entsetzlicher und
fast skandalöser Streit über folgende Worte: „Auch vermacheich das Heu von meinen Wiesen den jedesmaligen drei Stadt-farren zu O..." Es wurde nämlich gestritten, ob Testatordie Prediger des Orts, oder die Bullen gemeint habe; und weildie letztem einen bessern Advocatcn erhielten, als die erstem, sofiel das Heu dem Bullenstall zu. Der Advocat für die Predigerwußte nichts beizubringen, als daß man einem unvernünftigenWich nichts vermachen könne; nur sei bekanntlich Testator einAnhänger von Hrn. K... und dessen prosaischen Werken gewe-sen, und habe daher farren statt Pfarrern geschrieben. Da-gegen erwies der Advocat für die Bullen mit unwidersprechlichenZeugnissen, Testator sei zwar ein eifriger K — ianer, aber, daer selbst Pfeiffer geheißen, auch ein hartnäckiger Vertheidigerdcs Pf gewesen, weßhalb er wohl ostKlopfstock und Trepfegesagt, aber sich nie Feiffcr unterzeichnet habe. Die Sachewäre also klar. Übcrdieß habe der Selige bekanntlich nicht vielauf die dasigen Herren Prediger gehalten, und da die Wiesengegen 300 Thaler abwerfen, so wäre es gar nicht wahrscheinlich,daß er sie gemeint hätte, u. s. w.
Ist es nicht sonderbar, daß eine wörtliche Übersetzung fastimmer eine schlechte ist? und doch läßt sich Alles gut übersetzen.Man sieht hieraus, wie viel es sagen will, eine Sprache ganzverstehen; es heißt, das Volk ganz kennen, das sie spricht.