Druckschrift 
1 (1844)
Entstehung
Seite
255
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Geschichte nicht undeutlich der Häbcrlinischcn nachsetzt, vergißtman offenbar einen Hauptumstand: Wer nämlich Humische Ge-schichte schätzt, verwirft deßwegen nicht Häberlinische. Die eineläßt sich gar nicht mit der andern vergleichen. Die eigentlichenGeschichtklanber, die, um eine Jahrzahl zu berichtigen, Folian-ten langsam durchblättern und ganze Frühlinge versitzen, sindüberhaupt ein murrendes, alles andere verachtendes Volk, undkönnen sich sehr erbittern, wenn man ihnen irgend ein Werkvorzieht, das mit Leichtigkeit geschrieben zu sein scheint. »Dassieht in dem trockenen Annalisten Alles weit genauer« abersie bedenket! nicht, daß, so wenig als dem Menschen äußersteGenauigkeit möglich ist, sie eben so wenig ihm auch überall nö-thig ist. Wer den Ausdruck der Muskeln an dem fariiesischenHerkules bewundert, dem muß der Physiolog nicht verächtlichzurufen: «im Albinus und Cowper steht das Alles weit genauer.«Jedes nach seiner Art, ist eine Regel, die den Kritikerüberall leiten soll.

Daß Garve aufgehört hat zu schreiben, ist ein so großerVerlust für unsere Literatur, als daß Lavater angefangen hat.

Ich kaun nicht leugnen, mein Mißtrauen gegen den Ge-schmack unserer Zeit ist bei mir vielleicht zu einer tadelnswürdi-gcn Höhe gestiegen. Täglich zu sehen, wie Leute zum NamenGenie kommen, wie die Kelleresel zum Namen Tauseudfuß, nicktweil sie so viel Füße haben, sondern weil die Meisten nicht bis