146
Eine der schwerste» Künste für den Menschen ist wohl die,sich Murh zn geben. Diejenigen, denen er fehlt, finden ihn amersten nnter dem mächtigen Schutz eines, der ihn besitzt, undder uns dann helfen kann, wenn Alles fehlt. Da es nun soviele Leiden in der Welt gibt, denen mit Muth entgegen zu ge-he», kein menschliches Wesen einem Schwachen Kraft genug ge-bet! kann, so ist die Religion vortrefflich. Sie ist eigentlich dieKunst, sich durch den Gedanken an Gott, ohne andere weitereMittel, Trost und Muth im Leiden zn verschaffen, und Kraft,demselben entgegen zu arbeiten. Ich habe Menschen gekannt,denen ihr Glück ihr Gott war. Sie glaubten an ein Glück,und der Glaube gab ihnen Muth. Muth gab ihnen Glück, undGlück Muth. Es ist ein großer Verlust für den Menschen,wenn er die Überzeugung von einem weisen, die Welt lenkendenWesen verloren hat. Ich glaube, es ist dieses eine nothwendigeFolge alles Studiums der Philosophie und der Natur. Manverliert zwar den Glauben a» einen Gott nicht, aber es ist nichtmehr der hülfreiche Gott unserer Kindheit! es ist ein Wesen,dessen Wege nicht unsere Wege, und dessen Gedanken nicht un-sere Gedanken sind, und damit ist dem Hülflosen nicht sonder-lich viel gedient.
Es ist eine goldene Regel, daß man die Menschen nichtnach ihren Meinungen beurtheilen müsse, sondern nach dein,was diese Meinungen aus ihnen machen.