139
einen Tag aufschieben, ist ebenfalls ein Mittel, die Zeit zustrecken.
Man kann die Fehler eines großen Mannes tadeln, aberman muß nur nicht den Mann deßwegen tadeln.
Daß man oft, einer geringen Handlung wegen, eine Ver-achtung auf einen Menschen wirft, geschieht nicht sowohl wegendieser Handlung an sich betrachtet, als wegen dessen, was manvon der Fähigkeit eines solchen Menschen in andern Fällen muth-maßet. Daher man den so leicht verachtet, der sich ungeahndetbeleidigen läßt.
Es sind gewiß wenig Pflichten in der Welt so wichtig, alsdie, die Fortdauer des menschlichen Geschlechts zu befördern, undsich selbst zu erhalten, denn zu keinen werden wir durch soreizende Mittel gezogen, als zu diesen beiden.
Mir ist es eine sehr unangenehme Empfindung, wenn jemandMitleiden mit mir hat, so wie man das Wort gemeiniglichnimmt. Denn die Menschen brauchen gerade da, wo sie rechtböse sind, die Redensart: Mit einem solchen muß manMitleiden haben. Diese Art des Mitlcidens ist ein Almo-sen, und Almosen setzt Dürftigkeit von der einen, und Überflußvon der andern Seite voraus, er sei auch noch so gering.Dem englischen /'«<>, ist es eben so gegangen, und noch ärger