80
Wir mögen uns eine Art uns die Dinge außer uns vorzu-stellen gedenken, welche wir wollen, so wird und muß sie immeretwas von dem Subject an sich tragen. Es ist, dünkt mich,eine sehr unphilosophische Idee, unsere Seele bloß als ein lei-dendes Ding anzusehen; nein, sie leihet auch den Gegenständen.Auf diese Weise möchte es kein Wesen in der Welt geben, dasdie Welt so erkennte, wie sie ist. Ich möchte dieses die Affini-täten der Geister- und der Körperwelt nennen, und ich kannmir gar wohl vorstellen, daß es Wesen geben könnte, für diedie Ordnung des Weltgebäudes eine Musik ist, wornach sie tan-zen können, während der Himmel aufspielt.
Die größte Inkonsequenz, die sich die menschliche Natur jehat zu Schulden kommen lassen, ist wohl gewiß, daß sich dieVernunft sogar unter das Joch eines Buches geschmiegt hat.Man kaun sich nichts Entsetzlichers denken, und dieses Beispielallein zeigt, was für ein hülflvses Geschöpf der Mensch in Con-creto, ich meine in diese zweibeinige Phiole aus Erde, Wasserund Salz eingeschlossen, ist. Wäre es möglich, daß die Ver-nunft sich je einen despotischen Thron erbauete, so müßte einMann, der im Ernst das Copernicanische System durch dieAuctorität eines Buchs widerlegen wollte, gehenkt werden. Daßin einem Buche steht, es sei von Gott, ist noch kein Beweis,daß es von Gott sei; daß aber unsere Vernunft von Gott sei,ist gewiß, man mag nun das Wort Gott nehmen, wie manwill. — Die Vernunft straft da, wo sie herrscht, bloß mit den