Druckschrift 
1 (1844)
Entstehung
Seite
77
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der sich jetzt für seine Traditionen todt schlagen ließe, würde beidem Wunder selbst, als es geschah, sehr kaltblütig gebliebensein. Denn in dem Augenblicke, da das Wunder geschieht, hates kein anderes Ansehen, als das ihm sein eigener Werth gibt;es Physisch erklären, ist noch keine Freidenkern, so wenig als essür Betrug halten, Blasphemie. Überhaupt ein Factum leug-nen, ist an sich etwas Unschuldiges; es wird nur in der Weltgefährlich in so fern, als man Andern dadurch widerspricht, dieseine Unleugbarkeit in Schutz genommen haben. Manche Sache,die an sich sehr unwichtig ist, wird dadurch wichtig, daß sichLeute von Ansehen ihrer annehmen, die man für wichtig hält,ohne eigentlich zu wissen warum. Wunder müssen in der Fernegesehen werden, wenn man sie für wahr, so wie Wolken, wennman sie für feste Körper halten soll.

Es ist mir nichts angenehmer, als da, wo meine Zu- oderAbneigungen vor meiner Vernunft vorhergehen, aufzusuchen,wie sie mit ihr zusammenhängen. Mit andern Worten, mirbewußt zu werden, daß ich das in der Welt sei, oder warumich das sei, was ich bin. — Ich glaube überhaupt, daß unsereganze Philosophie darin besteht, uns dessen deutlich bewußt zuwerden, was wir schon mechanisch sind. Es ist sehr sonderbar,daß uns der Himmel so viel Spielraum gegeben hat. Ver-muthlich können wir so häufig im Scherz fehlen, damit wir unsnicht bei unserem freien Willen einfallen lassen im Ernst zu fehle».