Menschliche Philosophie überhaupt ist die Philosophie eineseinzelnen gewissen Menschen, durch die Philosophie der andern,selbst der Narren, corrigirt, und dieß nach den Regeln einervernünftigen Schätzung der Grade der Wahrscheinlichkeit. Sätze,worüber alle Menschen übereinkommen, sind wahr-, sind sie nichtwahr, so haben wir gar keine Wahrheit. Andere Sätze für-wahr zu halten, zwingt uns oft die Versicherung solcher Men-sche», die in der Sache viel gelten, und jeder Mensch würdedas glauben, der sich in eben den Umständen befände. Sobalddieses nicht ist, so ist eine besondere Philosophie da, und nichteine, die in dem Rath der Menschen ausgemacht ist. Aber-glaube selbst ist Localphilosophie; er gibt seine Stimme auch.
Ich bin überzeugt, wenn Gott einmal einen solchen Men-schen schaffen wollte, wie ihn sich die Magister und Professorender Philosophie vorstellen, er müßte den ersten Tag ins Tollhausgebracht werden. Man könnte daraus eine artige Fabel machen:Ein Professor bittet sich von der Vorsicht aus, ihm einen Men-schen nach dem Bilde seiner Psychologie zu schaffen-, sie thut es,und er wird ins Tollhaus gebracht.
Ehe man noch die gemeinen Erscheinungen in der Körper-welt erklären konnte, fing man an, Geister zur Erklärung zugebrauchen. Jetzt, da man ihren Zusammenhang besser kennt,erklärt man Eines aus dein Andern, und die Geister, bei denenwir stille stehen, sind endlich doch ein Gott und eine Seele.