170 V. Gegenwärtige Lage und Bedürfnisse.
nicht zusammengewürfelt werden können, ohne wichtige Inter-essen zu stören. Es ist leicht ein Municipalwcsen zu erschaffen,das auf alles dieses keine Rücksicht nimmt; allein es fehlt unsauch nicht an der Erfahrung, wie wenig ein solches Municipal-wcscn mit dem Leben der Unterthanen sich zu einem lebendigenGanzen vereinigt, wie sehr cs bloß ein Werkzeug bleibt, umdie Ccntralbefchle höherer Macht zu vollstrcckcn. — Die Fra-gen, ob man eine allgemein gültige Form für das Gcmeinde-wcsen vorschreiben? ob man die Rechte allgemein durchgreifendnormiren wolle? werden demnach kcineswegcs leicht zu entschei-den scyn.
Es ist eine Eigenthümlichkcit des größten Theilcs unseresLandes, daß die Dorfs - und Bauerschaftsgcmeinden sehr kleinsind, und diese Kleinheit erschwert ganz vorzüglich die Anord-nung; große den Flecken ähnliche Dörfer, wie wir sic in an-dern Thcilcn Deutschlands, z. B. in Thüringen, finden, habenjederzeit eine größere Unabhängigkeit bewahrt und bewahrenkönnen, als dies in unserm Lande möglich gewesen ist. Einenzweckmäßigen Gemcindcverband gewährt' nicht selten die Pfarr-gcmeindc, die der Regel nach aus mehrern Dorfgemeinden be-steht und in sich wiederum einen sehr wirksamen Gemcindevcr-band bildet. Allein häufig ist auch diese zu klein. In andernFällen möchten die Unterabtheilungcn der Aemtcr, Vogteien,Gogräfschaftcn u. s. w. in noch andern die ganzen Amtsbezirkezum Grunde gelegt werden müssen. Bei einer solchen Unklar-heit des Objects ist es nun aber auch schwer, von Formen undRechten zu reden. Erst wird nothwendig seyn, die Gemeindenselbst zu bilden.
Dazu ist nun aber die erste Bedingung, daß jede Exemtionim Gcmcindcwcsen aufhöre. Die Gemeinde ist eben sowohlein Grundbestandthcil des Staats als des Steuercataster; wennin diesem keine Exemtion geduldet werden soll: so darf dies auchin jenem nicht der Fall scyn, und nur der evidente Jrrthumüber die privatrcchtliche Natur des Gemeindewesens hat diesefalsche Ansicht unterstützen können. Wollen wir die Exemtionbestehen lassen, so mögen wir die Bemühungen um Verbesse-