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Über die gegenwärtige Lage des Königreichs Hannover : ein Versuch, Ansichten aufzuklären
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36. Die zweite Cammer. 133

so entscheidet sie nicht nach kräftigem Entschluß , sondern nachSchwache. Wo die geringsten Schwierigkeiten in die Augenfallen, das heißt an der Oberfläche liegen, dahin pflegt sic sichzu wenden, und so eine unglückliche Halbheit zu befördern.Spricht dagegen das Entgegenstchcnde sich rein aus: so wird dieVereinigung viel eher nach gründlicher Prüfung zu Stande ge-bracht und nicht nach jener bloßen Stimmung. Was wahrhaftnothwcndig ist, was keine Aenderung zulaßt, das dringt dannvielleicht etwas später, aber um desto reiner durch, wahrend aufjenem ersten Wege vielleicht früher ein Halbes gewonnen wäre,das dann dem Rechten am allermeisten im Wege steht. Nichtüberall liegt das Wahre in der Mitte, sondern nur da, wo beideSeiten gleich Unrecht haben; und wenn auf der einen Seitenicht zu hoffen ist, daß jene Vermengung das Rechte fördere:so ist auch auf der andern Seite nicht zu fürchten, daß die Mög-lichkeit durch bloßen Widerspruch zu hemmen ein unübersteigli-ches Hindcrniß seyn werde. Wo einmal eine innere Nothwen-digkeit vorhanden und klar erkannt ist, da wird jener Widerspruchdes bloßen Partheiintcresses sehr schwach seyn. Die Geschichteder neuesten Jahre, zumal die von England', hat solches zurGenüge erwiesen. Für uns aber ist dieses vorzüglich wichtig,so lange der Adel eine getrennte Stellung und ein getrenntesInteresse im Staat und in der Gemeinde behauptet. DenStreit eines excmten gutshcrrlichen Adels und eines pflichtigenBauerstandes in Einer Cammer zu vereinigen, würde schwerlichzu irgend einem guten Ausgange führen.

Die zweite Bemerkung ist die, daß die Vertretung dermateriellen Interessen jederzeit in richtigem Verhältnisse zu dengeistigen Kräften stehen muß, die mit denselben verbunden sind.Es ist unmöglich eine Vertretung nach geistigen Kräften zu ord-nen. Das materielle ist allein das feste, erkennbare, durch Zahlund Maaß zu bestimmende. Es ist der Vorzug der Regierung,es ist ihre eigentliche Bestimmung, daß sie nach den geistigenKräften sich richten, durch diese sich stärken kann, eben weil siein ihrem Kreise auf freie Thatigkcit angewiesen ist; währendalles, was zur Verfassung gehört, eben deshalb, weil es dieser