128 IV. Neueste Ereignisse.
in den frühem Beratungen die Redner der Negierung selbst be-stritten , daß ein Entwurf von ihnen ausgchcn könne, und weilman bei eigner Bearbeitung des Entwurfs durchaus die Zügelin den Händen behalten, und von übclm Willen und Zögerungunabhängiger seyn würde. Das erste Bedenken siel weg, weildieselben Redner sich jetzt für diese Bchandlungsweise ausspra-chen; gegen das zweite konnte man füglich die leichtere Verei-nigung mit erster Cammer anführcn. So trat man derselbenbei; und es war diese Angelegenheit beschlossen. Wahrendman nun noch in der zweiten Cammer einen Antrag der erstenCammer auf Revision des Chaussccbaus, uud Suspension derDienste für dieses Jahr, theils annahm, theils sehr übel deu-tete , und dann sich der Berathung über den neuen Steuertarisunterzog, war die Confcrenz über die Vereinigung der Cassenzu bewirken. Die Stimmung war besänftigter, aber noch im-mer hing von dem Ausgange dieser Verhandlung sehr vieles, jaalles ab; und auch dieser Ausgang war so, wie es die Freundedes Landes wünschen mochten. War auch in der ersten Cam-mer die Parthei, welche alles Bestehende aufrecht zu haltendachte, keineswegs schwach: so fehlte es doch eben so wenig anMännern, die die Stellung des Adels vollkommen anerkanntenund würdigten. Man war zur völligen Einsicht gekommen, wieverschieden das Interesse derer, welche die Vorthcile des Staats-dienstes unter sich theilcn, von dem des Adels, das der Oligar-chie, von dem der eigentlichen Aristocratie des Landes scy.Man empfand, wie sehr die Vermischung beider sehr verschicde-dencn Elemente dem Landadel in jeder Beziehung mehr gescha-det als genützt; und man war nicht der Meinung einen Streitlanger zu führen, der das richtige Interesse eher verletzte alsförderte. Den Männern, die diese Ansicht faßten, und dielange Zeit hindurch das Uebergewicht in der ersten Cammer be-saßen, ist das Land und wahrlich auch der Adel sehr vielen Dankschuldig. Sie sind es, die auch diesen gefährlichen Streit be-seitigt haben.