74 111. Zustand der Verwaltung.
Staats *) in ihrer Mitte beschrankt werden muß, wenn sie sichhalten soll. Bielleicht ist es noch Zeit, durch Aufopferung zugroßer Bvrthcilc und Vorzüge vieles zu retten. Lassen wir dasNebel noch hoher steigen: so wird unfehlbar eine Reform erfol-gen, welche eben so wie die kirchliche des 10. Jahrhunderts diemuffigen Besitzer der Pfründen beraubt und ganz andre an ihreStelle bringt. Allein nie wird eine politische Reform in solcherOrdnung vor sich gehen können, weil hier nach der Zerstörungdes durch Menschcnsatzung zerrütteten Bestehenden rein heiligesWort Gottes übrig bleibt, das die verwildernden Gcmüthcr so-fort wieder binde, und keine zwingende Macht, die sie zur Ord-nung rufe. Wollten wir im Staate die Grundsätze auch nurdreihundert Jahre rückwärts suchen: so müßten wir Alles Um-stürzen , wo bei der Kirche ein Rückschritt zu den Grundsätzendes Urchristenthums keine erhebliche Zerstörung brachte. Alleinzu diesen Grundsätzen kamen die Reformatoren auch da erst, alsdie mildere Reform, die von den großen Eoncilicn des 15.Jahrhunderts versucht war, sich unwirksam erwies; als Lutherselbst durch den unklugen Widerstand zu weiterer Forschung ge-zwungen, allmälig ein Stück des Bestehenden nach dem an-dern für unhaltbar anerkennen mußte.
Die erste unmittelbare Folge jenes allmälig sich ausbrei-tendcn Systems der Staatspfründcn ist eine unglückliche Kraft-losigkeit in den meisten Zweigen der Staatsverwaltung gewesen.Dieser Kraftlosigkeit aber muß der größte Lheil der Unglücks-fälle, der Unzufriedenheit zugcschricbcn werden, die das Landbetroffen haben. Sie ist Schuld an so mangelhafter Verfas-sung; sic hat durch diese Verfassung sich selbst ihr Geschäft un-endlich erschwert. Dies Geschäft war aber schon ohnehin wahr-lich schwer genug; denn es muß auch hier aufs neue daran er-innert werden, wie großer Druck auf die untern Elasten durchandre Umstände gelegt ist, wie sehr die Erwartungen von derThätigkeit des Staats gespannt und überspannt sind. Was solUeunter solchen Schwierigkeiten geschehen? Nur die höchste Klarheit,
') nach Mosers Darstellung.