7. Die Churlande vor 1803. 25
der Adel bei den hohem Forstämtern. Unvcrhältnißmäßlg rei-che Einnahmen aber waren mit den höchsten Staatsämtern ver-bunden, die einzig dem Adel zusielen. Außerdem gaben Lehns-exspectanzen den begünstigten Staatsdicncrn oft bedeutenden Zu-wachs ihres Vermögens. Auf diese Weise wurde ungemeinerRcichthum aus den Mitteln des Staats dem Adel zugewcndct,der eben deshalb in sehr bedeutendem Luxus lebte, durch diesenvielfach seine Güter verschuldete, und dann unterstützt durch denLchnsvcrband, die Nachthcilc des durch unzweckmäßige Gesetzenoch verschlimmerten Lehnsconcurses, daher erleichterte Nach-laßvcrträge, und Gewinn im Staatsdienste den Wohlstand wie-der herstcllte. Bei genauer Prüfung möchten sich wenige Fa-milien des einheimischen Adels finden, deren Gütcrbesitz nichtim Laufe von zwei Jahrhunderten durch diese Mittel des Staats-dienst oder des Lehnsconcurses erhalten wäre.
Diese Vortheile des Staatsdienstes aber sielen ganz vor-züglich den Geschlechtern zu, die sich den Besitz der höhcrn Eh-renstetten sicherten, oder die mit diesen in näherer Verbindungstanden. Es ist auffallend, daß unter diesen Familien von theilssehr großem Vermögen und dem größten Einflüsse mehrere sind,deren einheimischer Gütcrbesitz im höchsten Grade unbedeutendist, die man kaum zu dem eigentlichen Adel des Landes zählendarf, obgleich sie ganz vorzüglich dem Hannoverschen Adel an-gchörcn. Andre freilich sind im Lande wohl begütert, und viel-fache Verbindung ist Ursache mancher Schritte zu Schärfungdes aristocratischen Ucbcrgcwichts geworden, die aber seit jenerZeit vorzüglich gethan sind. So wurde in Calenberg 1738 und1749 der Zehnt- und Schcffelschatz der Excmtcn aufgehoben, dervorhin doch über 7000 Rthlr. betragen hatte. So wurde dortdie Hauptsumme der Steuern durch einen Brodkornlicent auf-gebracht, der die untern Classcn unvcrhältnißmäßig drückte, dieSchuld des 7jährigen Kriegs durch ein Kopfgeld abgetragen, zudem der erste Gutsbesitzer und der letzte Häusling auf gleicheWeise zahlte. — Dennoch stand im Calcnbergischcn der Rit-terschaft nur die dritte Stimme auf dem Landtage zu, währendsie in Lüneburg, Bremen, Hoya und Lauenburg den ganzen