6 . Abhnlfe. 19
glauben, daß die Verhältnisse so bleiben können, wie sie ineiner Zeit geschaffen worden, in der höchstens auf einer SeiteEinsicht war. Es muß ein Gleichgewicht hcrgcstcllt werden,oder man erwarte, daß alles umstürzt.
6. Ab hülfe.
Die Nebel, von denen hier die Rede gewesen ist, liegentief; aber sic sind darum nicht minder wirksam und gefährlich.In den einfachem Verhältnissen früherer Zeiten findet sich zu ih-nen kein Gegcnbild. Wo Gcwaltthatcn geschehen, da ist sehrbald dies Böse erkannt und die Hülfe gefunden; sey cs daßein Einziger solche übt, oder daß mehrere Mächtige ihren Ein-fluß mißbrauchen, oder daß Ungebundenhcit des Haufens denBürgern selbst zur Last fällt. Allein in Deutschland ist allesStreben dahin gegangen, Gcwaltthat zu verhüten; man hatdiesen Zweck erreicht; aber weil man stets nur die Wirkungen,nie den Grund des Ucbcls zu entfernen gesucht hat, weil manunbeachtet gelassen hat, wie von den alten Stützen eine nach derandern morsch geworden ist: so wirken jetzt die Grundübel jeversteckter um desto gefährlicher, und das Gebäude droht denEinsturz, obwohl die Wände wohl getüncht sind, und das Dachunverletzt ist. Eben deshalb aber ist auch schwer zu helfen. DieUrsachen der Nebel müssen entfernt werden, das ist gewiß; abersoll dies rasch geschehen, will man plötzlich zu Werke gehen unddie Versäumnisse von Iahrzchcndcn in Einem Tage nachholcn,so bleibt beinahe gar keine Aussicht auf Abhülfe. Denn Mittel,welche zu rasch wirken, beschleunigen nur das Unheil. Eben sowenig aber darf man so vorsichtig und langsam fortschreitcn,als hätte geschehen können, wenn man die Zeit benutzt hätte.Die Jahre sind einmal verloren, und jeder Tag führt dem Ver-derben näher, wenn nicht mit aller Kraft ihm entgcgcngcarbei-tct wird.
Es ist nothwcndig, daß-wir mit Ernst denken, jene Künst-lichkeit der Staatsmaschinc zu vermindern, die überflüssigenThcile zu entfernen; es ist nothwcndig, daß wir den Druck er-
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